Das klingt alles rhetorisch einwandfrei, inhaltlich stimmt das alles. Warum aber kommt man damit erst jetzt? Das kommt mir so vor, als sage jemand nach einer langen Nacht und reichlich Bier, mit einem Kater am nächsten morgen, er wolle nie wieder Alkohol trinken. Das hält dann bis zum nächsten Wochenende wahrscheinlich.
Von Ethik haben doch vorher die wenigstens gesprochen, 2007 als mein Studium begonnen hat, hat nie ein Prof. etwas davon erzählt und auch in den Medien stand nichts darüber, dann kam die Krise, die Beschuldigungen, die Maßnahmen zur Prävention für die nächste Krise, die Ethik der Wirtschaft und und und. Man diskutierte sogar an einigen Hochschulen Fächer für sowas einzuführen.
Jetzt mal ernsthaft: nur weil Menschen solche Texte lesen oder es 180 Minuten pro Woche vorgelesen bekommen, bessern sie sich doch nicht. Genauso wie im Fach Personalführung. Jeder BWLer hat im Fach Personalführung gelernt welche drei Kompetenzen er benötigt: methodische, fachliche und soziale. Super. Auswendig gelernt, in der Klausur runtergebetet. Aber davon den Umgang mit Menschen gelernt? Eine Utopie. Das selbe gilt für jemand der sich vornehmen will diese 10 Grundsätze immer zu berücksichtigen.
Gier ist nunmal jedem Menschen inhärent. Alle schimpfen auf die Banker die so gierig waren und das System ins Wackeln brachten. Dabei geht es am Ende nur um den eigenen Wohlstand und Gier. Das einfachste Beispiel, hat sich ein Geringverdiener ein Auto gekauft, nach 5 Jahren harter Arbeit, will er das doch nicht wieder abgeben, weil, so wie es momentan ist, sich seine Ausgaben erhöhen.
Es sind Monologe denkbar: "Ich kann das mein Auto nicht verkaufen, was soll denn der Nachbar denken." Kurzer Ausflug in die Glücksforschung: es macht Menschen glücklich wenn sie sehen, dass es dem Nachbar schlechter geht als ihnen selbst.
Zu dem dritten Punkt: schon Adam Smith sagte sinngemäß, wenn sich jeder auf seinen eigenen Profit konzentriert, dient das der Masse. Illegale Geschäftspraktiken zählen natürlich nicht dazu, wie Kinderarbeit usw.
Zu dem fünften Punkt: wenn man diese Rufe nach mehr Kontrolle und Aufsicht für die Finanzbranche hört, ist Vertrauen fehl am Platz. Innerhalb des Unternehmens bestimmt nicht. Aber Kontrolle und Vertrauen sollten gleichbehandelt werden.
Zu dem sechsten Punkt: Handwerker tun mir leid. Die vollbringen sicht- und spürbare Ergebnisse, aber wehe denen unterläuft ein Fehler, dann werden sie haftbar gemacht. Studierte Akademiker, nehmen wir mal Unternehmensberater, stürzen ein Unternehmen in den Ruin durch Falschberatung, da bleibt die Haftung aus. Es mangelt an Gesetzen, das ist nichts Neues.
Zum zehnten Punkt: das hat man schon im Fach Personalführung versucht. Aber gerade diese Personaler und andere, kamen doch auf die Idee die Risikobereitschaft der Investmentbanker zu erhöhen durch diese hochvariablen Löhne. Auch hier ist kein neues Problem entstanden, das was man versucht hat anderen beizubringen, hat nicht gewirkt.
Lange Rede, kurzer Sinn: es muss nichts neues her, keine Fächer über Wirtschaftsethik, es muss daran gearbeitet werden, was vorhanden ist. Die Grundlagen sind verloren gegangen.
Beispiele für Unternehmen die sich intern so Verhalten wie man es sich wünscht:
Avira (da verzichteten Mitarbeiter sogar für mehrere Monate auf ihr Gehalt, nach dem der Chef mit gutem Beispiel voran ging und retteten das Unternehmen so, über die Tiefphase)
GLS Bank (die ausschliesslich nur soziale, ökologische und kulturelle Projekte finanziert).
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