Alle (Halb-)Jahre kommt sie wieder: die bei allen Studenten verhasste Prüfungszeit. Und wenn es dann mal wieder heißt, drei Prüfungen an einem Tag zu schreiben, ist guter Rat teuer. Wie sollst du auch in der kurzen Zeit, so viel Stoff in deinen sowieso schon stressgeplagten Kopf bekommen? Versuchs doch einfach mal mit Karteikarten. Diese sind sicherlich noch aus der Schulzeit bekannt, als viele versucht haben, sich damit die Vokabeln für den Englisch-Test oder die Merkzahlen für die LK in Geschichte einzutrichtern. Aber auch für komplexere Zusammenhänge, Formeln und Definitionen im Studium sind Karteikarten gedächtnispsychologisch sehr effektiv. Denn bereits beim Erstellen der Karteikarten musst du dich mit dem einzuprägenden Stoff intensiv auseinander setzen. Damit lernst du schon an diesem Punkt mit. Trotzdem gilt es einige Regeln zu beachten, damit das Karteikartenlernen nicht zum Fiasko wird:
- Strukturierung
Zunächst solltest du den Lernstoff in unterschiedliche Fragekomplexe unterteilen. Beachte dabei, dass du nicht zu viele Fragen auf eine Karteikarte schreibst. Als kleine Faustregel gilt: eine Hauptfrage mit maximal drei Subfragen pro Karte. Versetze dich bei der Formulierung in die Lage deines Prof’s. Am besten erkundigst du dich auch mal bei älteren Kommilitonen, welche Aufgaben bei ihnen gestellt wurden, denn häufig haben Dozenten nicht die Muße, sich für jede Prüfung neue Fragestellungen auszudenken. Schon dieses Generieren von Fragen ist eine bewährte Lerntechnik. Auf die Rückseite der Karteikarte notierst du dir dann kurz die entsprechende Antwort. Günstig ist es auch, wenn du dir hier noch einmal vermerkst, wo du weitere Infos nachlesen kannst (Seitennummer, Datum der Mitschrift o.Ä.).
TIPP: Du hast keine Lust, die Karteikarten auf Papier zu schreiben, sondern bevorzugst eher die ausgedruckte Variante? Kein Problem, denn hier kannst du kostenlos eine Vorlage downloaden, mit der du schnell deine Karteikarten am PC erstellen kannst. Außerdem kannst du auch auf kostenlose Online-Lernkarteitrainer zurückgreifen. Das Schöne an z.B. Repetico.de oder CoboCards.de: du kannst auch mit deinen Kommilitonen ein Team bilden und das Kartenschreiben untereinander aufteilen. Das spart eine Menge Zeit und Arbeit.
- Bilder und Eselsbrücken
Unser Gehirn lernt am effektivsten, wenn wir neben den Texten auch noch visuelle Elemente erfassen. Deshalb baue nach Möglichkeit immer mal eine Abbildung oder Zeichnung in die Karteikarten mit ein. So lernst du nicht nur schneller, sondern dein Gehirn speichert den Stoff auch länger ab. Hilfreich ist es auch, wenn du dir Eselsbrücken baust oder dir Geschichten ausdenkst, mit denen du den Stoff in Verbindung bringen kannst. Diese erzeugen Emotionen, die dir dabei helfen, effektiver zu lernen.
- Lernen mit System
Häufig ist es so, dass es Teile vom Lernstoff gibt, die du im Nullkommanichts verinnerlicht hast. Bei anderen Inhalten fällt es dir hingegen viel schwerer, sie aufzunehmen. Zum Karteikartenlernen eignet sich besonders gut die 1973 von Sebastian Leitner entwickelte Kasten-Methode. Hierfür musst du keinen teuren Karteikasten kaufen, sondern du kannst auch einfach einen alten Schuhkarton in fünf Fächer unterteilen. Lege nun alle Karten in das erste Fach und frage dich selbst ab. Beim Durchgehen wandern alle Karten, die du schon korrekt beantworten kannst, ins zweite Fach. Nach einer bestimmten Zeit, z.B. nach zwei Tagen, nimmst du dir alle Karten des zweiten Fachs erneut vor. Wenn du die Antwort einer Frage weißt, wandert diese Karten ins nächste Fach usw. Alle nicht korrekt beantworteten Fragen kehren stets ins erste Fach zurück. Durch das regelmäßige Auffrischen sicherst du ab, dass du den Stoff nicht wieder vergisst. Du solltest also von Anfang an genau festlegen, wie oft du die entsprechenden Fächer durchgehst. So bleiben im Laufe der Zeit nur die Karten im ersten Fach übrig, bei denen du wirklich Probleme hast. Wichtig ist, dass du den Schwerpunkt beim Lernen genau auf diese Fragen legst. Beim ersten Fach solltest du die Karten deshalb möglichst täglich durchgehen, um den Stoff zu verfestigen. Das wirkt auch motivierend, immerhin kannst du sehen, wie die vorderen Kästen immer leerer werden. Das Gute daran: die Karteikarten sind handlich, du kannst die Karten eines Faches also auch schnell mal in der Straßenbahn oder im Cafe beim Warten auf FreundIn durchgehen. Wenn sich dann alle Karten im hinteren Bereich der Lernkartei befinden, solltest du den gesamten Stoff noch einmal komplett durchgehen. Wenn nun alles sitzt, kannst du die Prüfung locker auf dich zukommen lassen.
Fazit: Probier‘ die Karteikartenmethode doch einfach mal aus und teste, ob sie dir beim Lernen hilft.




