10 Jahre Bologna Reform

10 Jahre Bologna Reform Mit der Novellierung des Hochschulrahmengesetzes am 15.08.2002 wurden Bachelor und Master gleichberechtigte Abschlüsse neben den alten Studienabschlüssen Diplom und Magister. Ziel war es den europäischen Hochschulraum zu vereinheitlichen und damit die Mobilität der Studenten zu fördern und die europäische Wettbewerbs- und Beschäftigungsfähigkeit zu steigern. Dafür sollten die leicht vergleichbaren Abschlüsse Bachelor und Master geschaffen, ein anerkanntes Qualitätssicherungssystem etabliert und die Vermittlung von internationalen Inhalten im Studium gesichert werden.

Mit Blick auf die vergangenen 10 Jahre stellt sich nun die Frage, wie erfolgreich die Einführung von Bachelor und Master gewesen ist. Die Meinungen darüber gehen weit auseinander.

Im diesjährigen Report über die Umsetzung des Bologna-Prozesses in Deutschland zeigt sich das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) zufrieden. Danach waren zum WS 2011/12 ca. 85% aller Studiengänge an den deutschen Hochschulen auf das gestufte Bachelor- und Master-System umgestellt. Als positiver Effekt wird die steigende Zahl (zwischen 2009 und 2011 rund 22%) der Studienanfänger gewertet. „Das ist ein Zeichen für die große Akzeptanz des Bachelor", so Schavan. Auch die Studienabbrecherzahlen gehen langsam zurück. Laut BMBF wirkt sich die Bologna-Reform außerdem positiv auf die Studiendauer aus –der Erwerb der neuen Abschlüsse liegt nahe an der Regelstudienzeit- und trägt zum Rückgang der Arbeitslosigkeit bei Absolventen bei.

Während Bildungsministerin Annette Schavan Bologna als „europäische Erfolgsgeschichte" bezeichnet, meint Horst Hippler, seit Mai 2012 Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), im Interview mit der ARD hingegen, dass es noch vieler Verbesserungen bedarf.

Ein großes Problem sieht er in der zunehmenden Verschulung des Studiums. Anwesenheitspflicht und straffer Studienplan machen es den Studenten nicht leicht, Auslandssemester zu absolvieren. Zudem gibt es nach wie vor Probleme bei der Anerkennung von Leistungen. Das ursprünglich zentrale Ziel, Mobilität zu schaffen, wurde seiner Meinung nach bislang nicht erreicht. Die immer vielfältiger werdenden Bachelor Studiengänge führen zu einer steigenden Spezialisierung, die einen Hochschulwechsel selbst innerhalb Deutschlands immer schwerer macht. In einem Interview mit der SZ weist Hippler zudem darauf hin, dass der sechssemestrige Bachelor-Abschluss in der Regel zwar berufsqualifizierend ist, aber in vielen Studiengängen und Branchen nicht ausreicht. Trotz der scharfen Kritik ist er dennoch ein Befürworter der Reform und rät von einer Umkehrung ab.

Klare Worte findet auch der Dachverband der Studierendenvertretungen in Deutschland fzs: "Bologna-Klingt nach Pasta - ist aber Käse […] Mindestens 300.000 Studienplätze fehlen in den kommenden Jahren. Schon jetzt ist es vielfach nicht einfach, vom Bachelor in den Master zu kommen. Die Studiengänge sind verschult und die Betreuungssituationen schlecht. Trotz dieser katastrophalen Lage wird von den Studierenden erwartet, immer mehr in immer kürzerer Zeit zu lernen.“, so Erik Marquardt, fzs-Vorstandsmitglied. Steigender Stress bei den Studierenden –Stichwort Bulimielernen- und die damit verbundene gestiegene Nachfrage nach psychologischer Betreuung sind so kaum verwunderlich.

Was meinst du: Ist der Bologna Process als Erfolg zu werten oder wünschst du dir doch die traditionellen Studienabschlüsse Diplom und Magister zurück?
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