Bachelorstudium neben dem Beruf: Worauf du vor der Einschreibung achten solltest

Bachelorstudium neben dem Beruf: Worauf du vor der Einschreibung achten solltest
Irgendwann kommen wir alle an diesen Punkt: Im Berufsleben verlangt eine Stellenanzeige einen Abschluss, den man nicht hat, oder ein Kollege mit vergleichbarer Erfahrung wird zuerst befördert.

Dann stellt sich die Frage: Kannst du neben deinem Job studieren? Für viele Erwachsene in Deutschland ist das möglich. Schwieriger wird es danach.

Es gibt mehrere Wege, ein Studium mit dem Beruf zu vereinbaren; der Zeitaufwand wird leicht unterschätzt, und manche Berufe bringen eigene Regeln mit. In diesem Artikel gehen wir die Entscheidungen in der Reihenfolge durch, in der du sie mit hoher Wahrscheinlichkeit treffen musst.

Für einen Bachelor neben dem Beruf eine Liste zur Planung erstellen

Kläre zuerst, warum du studieren möchtest



Wer aus der Logistik ins Management wechseln will, braucht einen anderen Abschluss als jemand, der das Fachgebiet komplett wechselt.

Nochmal anders ergeht es dir, wenn du dir nur einen formalen Nachweis für deine Tätigkeit wünschst. Wenn du deinen Grund für dich erkannt hast, fallen dir spätere Entscheidungen leichter, weil du weißt, welche Teile deines Studiengangs wichtig sind.

Ein einfacher Test hilft: Such dir fünf Stellenanzeigen für die Position heraus, die du anstrebst. Wenn die meisten einen Bachelorabschluss in einem bestimmten Fach verlangen, kommt dieses Fach auf deine Auswahlliste.

Wird überwiegend Berufserfahrung gefordert und ein Studium nur als Pluspunkt genannt, kann für den Moment auch ein kürzerer Weg genügen, etwa ein Weiterbildungszertifikat.

Vier Wege, ein Studium mit dem Beruf zu verbinden



Deutsche Hochschulen bieten mehrere Studienformen an, und die Unterschiede sind im Alltag deutlich spürbar. Der Hochschulkompass, das Informationsportal der Hochschulrektorenkonferenz, beschreibt sie ausführlich.

Für dich haben wir Sie noch einmal zusammengefasst:

- Ein Teilzeitstudium bedeutet weniger Lehrveranstaltungen pro Semester, aber dadurch auch eine verlängerte Regelstudienzeit. Mit festen Stundenplänen bist du oft an den Campus gebunden.

- Ein Berufsbegleitendes Studium umfasst ein Selbststudium mit begleitenden Veranstaltungen abends oder am Wochenende. Hierbei musst du auf Anfahrtszeiten und feste Termine achten.

- Bei einem dualen Studium sind Studium und Berufsausbildung oder Praxisphasen fest in einem Programm miteinander verzahnt. Meist musst du dich hier mit deinem Arbeitgeber abstimmen.

- Ein Fernstudium ermöglicht dir ein Selbststudium mit großer Flexibilität bei Zeit und Ort. Meist finden wenig oder gar keine Präsenztermine statt. Wichtig ist hierbei vor allem Selbstdisziplin und die Frage, ob Prüfungen vor Ort oder online stattfinden.

Keine dieser Formen ist grundsätzlich die bessere. Wenn du einen festen Wochenrhythmus hast, kommst du mit Abendveranstaltungen unter Umständen gut zurecht. Bist du beruflich viel unterwegs oder wohnst du weit von der nächsten Hochschule entfernt, hältst du ein Fernstudium womöglich leichter durch.

Für einen Bachelor neben dem Beruf den Aufwand berechnen

Rechne deinen Arbeitsaufwand vorab durch



Der Umfang eines Studiums wird in Deutschland in ECTS-Punkten gemessen. Ein Bachelorstudium umfasst je nach Programm 180 bis 240 Punkte.

Ein Punkt steht für 25 bis 30 Stunden Arbeitsaufwand, also für Vorlesungen, Selbststudium und Prüfungsvorbereitung. Im Vollzeitstudium sind 30 Punkte pro Semester vorgesehen, das entspricht 750 bis 900 Stunden.

Neben einer Vollzeitstelle ist dieses Tempo kaum durchzuhalten. Realistischer schaffst du wahrscheinlich eher 20 Punkte pro Semester. Das bedeutet immer noch 500 bis 600 Stunden, also etwa 19 bis 23 Stunden pro Woche, verteilt auf ein Semester von rund 26 Wochen.

Bei diesem Tempo dauert ein Bachelorstudium mit 180 Punkten neun Semester, also viereinhalb Jahre. Mit 15 Punkten pro Semester sinkt die wöchentliche Belastung auf etwa 14 bis 17 Stunden; der Abschluss dauert dann sechs Jahre.

Natürlich sind dies nur Richtwerte, allerdings zeigen sie, was ein Plan tatsächlich verlangt, und entscheiden darüber, ob er ein arbeitsreiches Quartal übersteht. Frage am besten bei der entsprechenden Uni nach, wie leicht sich das Tempo in einem Studiengang verlangsamen, unterbrechen oder wieder aufholen lässt und wie sich das auf die Gesamtkosten auswirkt.

Ein Gespräch mit deinem Arbeitgeber gehört deshalb früh auf deine Liste. Manche Betriebe unterstützen ein Studium mit flexiblen Arbeitszeiten oder Freistellungen vor Prüfungen, andere tun das nicht. Wer das vorab weiß, plant realistischer.

Die formalen Fragen vor dem Lehrplan klären



Studiengänge mit Bachelorabschluss durchlaufen in Deutschland eine Akkreditierung. Der Anbieter sollte hierbei eine staatliche oder staatlich anerkannte Hochschule sein. Beides sollte auf der Seite des Studiengangs stehen. Prüfe am besten erst diesen Punkt, bevor du weitere Vergleiche vornimmst.

Auch die Zulassungsvoraussetzungen unterscheiden sich je nach Studiengang und Bundesland. Wer kein Abitur hat, ist nicht automatisch ausgeschlossen. Nach einem Beschluss der Kultusministerkonferenz (KMK) von 2009 erhalten Personen mit bestimmten beruflichen Aufstiegsfortbildungen, etwa einem Meisterabschluss, eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung.

Wer eine abgeschlossene Berufsausbildung und mehrere Jahre Berufserfahrung vorweisen kann, erhält eine fachgebundene Zugangsberechtigung für passende Studienfächer. Allerdings setzt jedes Land dies unterschiedlich um. Schau deshalb unbedingt auf der Zulassungsseite des jeweiligen Studiengangs vorbei. Diese zählt mehr als jede allgemeine Zusammenfassung.

Zusätzlich können Kenntnisse aus deinem Berufsalltag oder aus Weiterbildungen deinen Weg verkürzen. Nach den KMK-Vorgaben lässen sich bis zur Hälfte deiner Studienleistung durch außerhalb der Hochschule erworbene Kompetenzen ersetzen. Dies gilt allerdings nur, wenn diese dem betreffenden Modul nach Inhalt und Niveau gleichwertig sind. Wie Anträge dazu behandelt werden, regelt jede Hochschule selbst.

Informiere dich hierzu am besten früh, denn die Antwort verändert deine Rechnung bezüglich deines Arbeitsaufwands.

Schließlich sind manche Berufsfelder reglementiert, etwa die Architektur, das Lehramt oder die Psychotherapie. Ein Bachelorabschluss ist dort unter Umständen nur eine Etappe, und die Anforderungen legen Berufskammern oder staatliche Stellen fest. Eine kurze E-Mail an die zuständige Stelle vor der Einschreibung kostet wenig im Vergleich zu einer unangenehmen Überraschung nach der Einschreibung.

Für einen Bachelor neben dem Beruf die Studiengänge vergleichen

Studiengänge anhand der entscheidenden Details vergleichen



Sind Ziel, Studienform und Wochenstunden geklärt, kannst du deine Auswahlliste leichter aufstellen. Eine Suche im Hochschulkompass erlaubt es dir, nach Fach und Studienform zu filtern, auch nach Fernstudium.

Die Seiten der Anbieter liefern anschließend die Details für einen direkten Vergleich. Ein Beispiel ist die Übersicht über passende Bachelor-Studiengänge im Fernstudium, die eine Hochschule bereitstellt und in der jeder Studiengang mit dem angestrebten Abschluss und dem ECTS-Umfang aufgeführt ist.

Ganz gleich, welche Liste du nutzt: Lies dir die Modulbeschreibungen durch und nicht nur den Titel des Studiengangs. Zwei Studiengänge mit gleichem Namen können sich in Schwerpunkten, Praxisprojekten und Prüfungsformen stark unterscheiden.

Frage auch nach, wie Prüfungen ablaufen, ob Schwerpunkte früh oder spät gewählt werden und welche Unterstützung es gibt, wenn ein Semester schlecht läuft. Auch Hinweise zu Karrierewegen solltest du für dich einordnen: Aussagen zu Gehalt oder Jobchancen sind Einschätzungen, aber können leider niemandem eine Stelle garantieren.

Ein Plan, der auch im dritten Jahr trägt


Ein Studienplan muss das dritte Jahr überstehen, mit einem Abgabetermin im Job und einem Kind, das eine Woche lang krank ist.

Deshalb kommt es auf die Reihenfolge an: zuerst der Zweck, dann die Studienform, dann die Wochenstunden, danach die Formalitäten und erst zuletzt der Lehrplan.

Wenn du so vorgehst, hast du den Großteil der Vergleichsarbeit erledigt, bevor du überhaupt das erste Bewerbungsformular öffnest.

Vielen Dank für die Bilder an Andrea Piacquadio, kaboompics (©pexels.com) und die iu internationale Hochschule (©iu.de).

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