Wie sieht der Hörsaal der Zukunft aus?

Wie sieht der Hörsaal der Zukunft aus? Erinnerst du dich an deinen letzten Ausflug in die Berge, als du ohne Sicherung klettern warst? Da war ein kleiner Vorsprung, genug zum Festhalten, du hast dich rüber geschwungen und noch während der Bewegung wurde dir klar, dass das nichts werden würde. Der Schrecken sitzt dir heute noch in den Gliedern. Wie solltest du das vergessen haben?
Warum bleiben manche Ereignisse so gut im Gedächtnis und andere nicht? Beim Klettern ging es um etwas, du warst als Person voll dabei; konzentriert. Die Umgebung der Berge, die Sonne, deine Arme und Beine, deine Muskeln und dein Verstand waren alle ausgerichtet auf nur eine Aufgabe: einen Weg nach oben finden.

VR-Brille

Nun stell dir vor, dein Studium würde einen derartigen Eindruck bei dir hinterlassen können. Du verfolgst ein Wasserstoffatom, das gerade im Inneren der Sonne an dir vorbeigezogen ist. Auf seiner Bahn befindet sich in entgegengesetzter Richtung ein anderes Wasserstoffatom auf Kollisionskurs. Mit einer irren Geschwindigkeit und unter einem gewaltigen Druck rasen sie aufeinander zu. Die Kerne sind positiv geladen, sie müssten sich abstoßen. Sie knallen zusammen und stieben auseinander. Du hörst die Stimme deines Dozenten, der dir sagt, dass es nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit zur Verschmelzung der beiden Kerne zu Helium kommt. Vor deinem Auge erscheinen Grafiken und Gleichungen, die dir die mathematischen Aspekte des Geschehens anzeigen.

Genau im richtigen Moment drehst du deinen Kopf und siehst, wie zwei Wasserstoffatome ineinander krachen. Die Stimme sagt, dass du reinzoomen sollst. Die zwei Atomkerne des Wasserstoffs sind sich nahe genug gekommen, um die Abstoßungskräfte zu überwinden. Doch das genügt nicht, sie müssen über die letzte Barriere. Die ist jedoch zu hoch; sie müssen durchtunneln. Quantenmechanische Gleichungen blenden sich ein. Es gibt eine Wahrscheinlichkeit, dass sie es schaffen. Es klappt; du tunnelst zusammen mit ihnen durch die Barriere, die Kerne fusionieren miteinander und geben elektromagnetische Strahlung ab. Du nimmst deine VR-Brille ab, schaust aus dem Fenster und siehst das Ergebnis: Licht.

Sonnenwind

Wie weit ist die Entwicklung hin zur digitalen Universität?


So könnte der Hörsaal der Zukunft aussehen. Der Anschaulichkeit via virtueller Realität sind in der Lehre dabei nur wenig Grenzen gesetzt. Programme könnten beliebig interaktiv gestaltet werden. Ob Medizin, Biologie oder Philosophie, was anschaulich gemacht werden kann, wird damit auch erlebbar. Dabei wäre diese Form des digitalen Lernens in vielfältigen Varianten einsetzbar. Universitäten könnten VR-Brillen am Anfang des Studiums ausgeben und du könntest bequem von zu Hause aus in einem virtuellen Hörsaal „sitzen“ und auch weiterhin mit deinen Kommilitonen Späße treiben.

Leider ist die digitale Universität in Deutschland, besonders in der Lehre, nicht gerade weit entwickelt. Der größte Teil der Dozenten ist gegenüber der Digitalisierung zwar aufgeschlossen, dennoch gibt es kaum Strukturen, die sie bei der Umsetzung unterstützen. Es gibt ein paar Dozenten, die bereits ihre Vorlesungsreihen komplett auf Video aufnehmen. Das machen sie jedoch in ihren eigenen Büros und ohne eine didaktische Begleitung. Es ist etwas anderes, im Vorlesungssaal zu sprechen, als vor einer Kamera zu sitzen. Und Videoschnitt muss auch erst gelernt werden. Des Weiteren ist die Verwaltung an den Universitäten wenig fehlertolerant, beklagen die Dozenten. Das engt den Spielraum fürs Ausprobieren stark ein.

Der Vorteil an einer digitalen Universität für Studenten wäre, dass sie sich überlaufene Vorlesungen sparen können und nur zu den Seminaren in die Uni müssten, um die Videoinhalte zu besprechen. Abgesehen davon kann ein Video jederzeit pausiert und „zurückgespult“ werden.

Es gibt auch ein paar Unidozenten, die die Möglichkeiten digitalen Lernens und der Digitalisierung bereits nutzen, in dem sie ihren Studenten ermöglichen, Hausarbeiten via Google Docs zu verfassen, um sie anschließend über Google Drive einzureichen. Einreichungen, gedruckt und in dreifacher Ausführung, werden damit obsolet.

Fazit:
Von der Nutzung der VR-Brillen bis zur digitalen Vernetzung aller Universitäten in Deutschland ist im Rahmen der digitalen Universität allerhand möglich. Und dennoch setzen sich diese Innovationen nur langsam an den Unis durch. Wenn etwas beim Ausprobieren der Formate schief geht, ist natürlich eine ganze Studentengeneration betroffen. Dennoch ist es wünschenswert, dass die Hochschule der Zukunft zeitnah Gegenwart wird.

Bildnachweis: Vielen Dank an Pexels, Gerhard Gellinger, S. Hermann & F. Richter@pixabay.com

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