Studieren mit Realschulabschluss

Studieren mit Realschulabschluss Du hast einen Realschulabschluss oder vielleicht auch schon eine abgeschlossene Berufsausbildung und denkst, dass ein Studium somit nicht infrage kommt? Falsch gedacht, denn alle Bundesländer bieten auch Realschulabsolventen die Möglichkeit, ein Studium mit Realschulabschluss in Angriff zu nehmen.

Die meisten Realschulabsolventen entscheiden sich für die klassische Ausbildung und steigen dann direkt in den Beruf ein. Dies ist auch meist die beste Voraussetzung, um noch ein Studium anzuschließen und sich in dem jeweiligen Fachbereich weiterzubilden.

Zu beachten gilt jedoch, dass je nach Bundesland unterschiedliche Voraussetzungen und Regelungen bestehen. Welche das sind, stellen wir euch im Folgenden vor.

Welche Möglichkeiten gibt es für ein Studium mit Realschulabschluss?


Nicht wenige Realschulabsolventen entscheiden sich für ein Studium. So hat sich seit 2007 die Anzahl der ehemaligen Realschüler an Unis verdreifacht. Aktuell sind rund 50.000 Personen ohne Hochschulzugangsberechtigung an Universitäten eingeschrieben.

Um ein Studium zu beginnen, ist in der Regel der Besitz der Allgemeinen Hochschulreife oder der Fachhochschulreife erforderlich. Doch auch Personen, die kein Abitur absolviert haben, können mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung und langjähriger Berufserfahrung an einer Hochschule angenommen werden.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt werden, um mit Realschulabschluss studieren zu können?


Kandidaten, die einen Meistertitel oder einen anderen staatlich geprüften Fortbildungsabschluss, wie Erzieher, Fach- oder Betriebswirt, Techniker etc. besitzen, haben gute Chancen für ein Studium zugelassen zu werden. Je nach Bundesland werden jedoch noch weitere Kriterien hinzugezogen, um ein Studium absolvieren zu können. So spielen in einigen Bundesländern neben guten Noten beim Berufsabschluss, auch das Mindestalter und der Hauptwohnsitz im jeweiligen Bundesland eine Rolle.

Je nach Bundesland werden folgende Einstellungsprüfungen durchgeführt: Die Zugangsprüfung, das Eignungsgespräch, das Probestudium sowie das Meisterstudium.

Die Zugangsprüfung


Viele Bundesländer führen Eignungs-, Einstufungs- oder Feststellungsprüfungen durch, welche in der Regel schriftlich oder mündlich abgelegt werden können. Inhaltlich werden fachliche Grundlagen des gewählten Studiengangs abgefragt.

Das Eignungsgespräch


Auch das Eignungsgespräch ist eine Methode, um die Zulassung für ein Studium zu bekommen. Anhand des Eignungs- bzw. Beratungsgespräch wird geschaut, ob der Bewerber die nötige Motivation für ein Studium mitbringt. Zum Eignungsgespräch setzen auch einige Hochschulen das Absolvieren eines Probestudiums voraus.

Das Probestudium


Bei einem sogenannten Probestudium kann sich der Kandidat in den ersten zwei bis vier Semester unter Beweis stellen. Verlaufen die Probesemester reibungslos, kann der Nichtabiturient weiter studieren.

Das Meisterstudium


Solltest du eine abgeschlossene Meister- oder Technikerprüfung haben, wirst du entweder direkt zum gewünschten Studiengang zugelassen oder wirst zu einem Beratungsgespräch eingeladen. Auch ein Probestudium wird von manchen Hochschulen erwartet, bevor du das Studium aufnehmen kannst. Um für ein Meisterstudium zugelassen zu werden, wird jedoch eine langjährige Berufserfahrung vorausgesetzt.

Studieren mit Realschulabschluss in den einzelnen Bundesländern


Die gute Nachricht vorweg: Seit 2014 bieten alle 16 Bundesländer die Möglichkeit, mit Realschulabschluss zu studieren. Negativ zu betrachten ist jedoch, dass jedes Bundesland eigene Richtlinien und Regelungen aufweist und man sich daher im Vorfeld gründlich informieren muss, welche Voraussetzungen erforderlich sind.

Wir stellen euch dir die Voraussetzungen für die Zulassung zum Studium einiger Bundesländer vor:

Baden-Württemberg


In Baden-Württemberg ist seit 2012 eine positive Entwicklung zu verzeichnen, wenn es um das Studium ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife geht. Jedoch bewegt sich dies eher auf niedrigem Niveau, da die Anzahl der Studienanfänger ohne Abitur nur unterdurchschnittlich ist.

Ohne Meisterprüfung oder einer gleichwertigen beruflichen Fortbildung, muss neben einer abgeschlossenen Ausbildung auch eine mindestens dreijährige Berufserfahrung nachgewiesen werden. Zudem müssen eine Eignungsprüfung und ein Beratungsgespräch erfolgen.

Fachhochschulen bieten den Zugang zu den Studiengängen der Sozialarbeit, der Sozialpädagogik oder der Heilpädagogik an. Hierzu wird eine Ausbildung zum Erzieher, Heilpädagogen, Heilerziehungspfleger oder Erzieher der Fachrichtung Jugend- und Heimerzieher mit staatlicher Anerkennung vorausgesetzt. Zudem muss eine Eignungsprüfung abgelegt werden.

Berlin


Studierende ohne Hochschulzugangsberechtigung haben in Berlin gute Chancen, ein Studium in Angriff zu nehmen.

Für eine Zulassung zum Studium sind Bewerber mit Realschulabschluss oder einer anderen gleichwertigen Schulbildung berechtigt. Zugelassen werden zudem Personen mit einer mindestens vierjährigen Berufserfahrung sowie Bewerber mit bestandener Meisterprüfung, mit dem Abschluss als staatlich geprüfter Betriebswirt oder Techniker. Die Bewerber müssen lediglich ein Probestudium von zwei bis vier Semestern absolvieren.

Hamburg


Hamburg bietet zahlreiche Möglichkeiten für Personen ohne Hochschulzugangsberechtigung an und nimmt daher eine besondere Stellung ein.

Voraussetzung um an eine Hochschule in Hamburg zu gelangen, ist das Bestehen einer Fortbildungsprüfung als Meister oder Fachwirt. Zudem muss an einem Beratungsgespräch teilgenommen werden.

Sollte der Bewerber eine abgeschlossene Berufsausbildung und eine danach abgeleistete Berufstätigkeit von mindestens drei Jahren aufweisen, kann er mit Bestehen einer Eignungsprüfung die Hochschulzugangsberechtigung in Hamburg erlangen.

Nordrhein-Westfalen


Auch Nordrhein-Westfalen zählt zu den Spitzenreitern und zeigt einen enormen Anstieg der Personen ohne Hochschulzugangsberechtigung. Der Grund für dieses sehr gute Abschneiden ist im Wesentlichen auf die FernUniversität in Hagen zurückzuführen.

Die erfolgreich abgeschlossene Meisterprüfung erlaubt Bewerbern einen direkten Einstieg in das Studium. Einen prüfungsfreien Zugang haben Bewerber mit einer mindestens zweijährigen abgeschlossenen Berufsausbildung und anschließender dreijähriger Berufserfahrung. Mit dem fachlich entsprechenden Studiengang kann der Bewerber an allen Hochschulen in NRW zugelassen werden. Bei einem nicht fachlich entsprechenden Studiengang hat der Bewerber die Möglichkeit sich einer Zugangsprüfung zu unterziehen oder in einem zulassungsbeschränkten Studiengang, ein Probestudium zu absolvieren.

Für wen lohnt sich ein Studium mit Realschulabschluss?


Ein Studium lohnt sich für alle, die sich mit ihrem beruflichen Fachbereich näher auseinandersetzen und weiterbilden möchten. Hierfür sollte jedoch eine hohe Motivation und Lernbereitschaft vorliegen, um das Studium auch erfolgreich durchziehen zu können.

Sollten keine der genannten Voraussetzungen in den jeweiligen Bundesländern erfüllt werden, kann auch in einem Fernlehrgang oder der Abendschule das Abitur oder Fachabitur nachgeholt werden, mit welchem du dich dann problemlos an Hochschulen bewerben kannst.

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Bildquelle: Vielen Dank an Alexas_Fotos für das Bild (©Alexas_Fotos /www.pixabay.de)
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