Studium und Corona: Fazit nach einem Jahr Pandemie

Studium und Corona: Fazit nach einem Jahr Pandemie
Für viele sollte das Studium etwas ganz besonderes werden. Abwechslungsreich, ständig unterwegs und immer dabei neue Menschen kennen zu lernen. Da wo vor 1,5 Jahren noch Mensaessen, Bibliotheken-Besuche, Hörsäle, Partys und Hochschulsport auf dem Programm standen, sind heute, 1 Jahr nach Ausbruch der Corona-Pandemie- nur noch ein Bildschirm, Rückenschmerzen und Wut. Während Schulden und die Abbruchquote steigen, sinkt die Motivation und Freude am Studium.

Viele Studierende fühlen sich mittlerweile komplett vergessen. „Wir sind auch noch da!“ stand es am 22.03.21 auf Bannern in Großbuchstaben geschrieben. Mit Abstand und Masken demonstrierten rund 100 Studierende vor der Humboldt-Universität in Berlin. Sie sind wütend, wollen endlich wieder in den Hörsaal und sind die Konzeptlosigkeit der Politik leid. Warum spricht keiner mit den Studierenden? Und wie viel ist Deutschland die Bildung noch wert? Berechtigte Fragen. Seit über einem Jahr haben die Studierenden die Hörsäle schließlich nicht mehr von innen gesehen.

Immer mehr brechen ihr Studium infolge der Corona-Pandemie ab


Man könnte meinen, dass sich vergangenen Winter mehr Studenten als sonst für ein Studium entschieden haben, insbesondere weil Alternativen wie Auslandsreisen oder das Freiwillige Soziale Jahr wegfielen. Trugschluss, die StudienanfängerInnenquote war mit knapp 430 000 geringer als in den Jahren zuvor.

Doch auch die Abbruchquote ist im vergangen Jahr um fast 20% gestiegen. Die Studierenden verlieren zunehmend die Freude am Studium und fühlen sich hilflos und allein gelassen – die ganze Zeit alleine zu Hause sitzen, ist nicht das, was sie sich unter Uni-Leben vorgestellt haben. Studierende des dritten Semesters haben bereits die Hälfte ihres Bachelors geschafft und dennoch die Hochschule noch nie von innen gesehen, geschweige denn wissen sie, wer sonst noch mit ihnen studiert.

Viele, die ebenso leiden, aber das Studium nicht abbrechen möchten, schieben stattdessen ein oder zwei Urlaubssemester ein.

Studierende verschulden sich zunehmend


Viele Studierenden leiden in der Corona-Pandemie, auch und gerade finanziell. Über zwei Drittel der 2,9 Millionen Studierenden in Deutschland jobben eigentlich neben dem Studium und wissen nun nicht mehr, wie sie sich finanzieren sollen. Da helfen auch BAföG und die staatliche Corona-Hilfen von 500€ im Monat nicht viel, zumal beide nur wenigen Studierenden zustehen. Die Verschuldung durch Studienkredite hat sich 2020 im Vergleich zum Vorjahr vervierfacht.

Gut immerhin, dass es aktuell wenige Verlockungen gibt, das Geld anderswo, für Urlaub oder Partys, auszugeben. Wie du trotzdem Geld sparen und ein paar Groschen dazuverdienen kannst, haben wir dir hier zusammengefasst.

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Durch Corona mehr Zeit fürs Studium?


Wie verbringen die Studierenden ihre Zeit während der Pandemie? Anstatt mehr Zeit fürs Lernen zu haben, verschiebt sich der Studienabschluss vor allem bei Masterstudierenden. Aus einem werden bei vielen drei weitere Semester, weil Unterstützung fehlt, Firmen ihre Betreuung absagen oder Pflichtpraktika ausfallen.

Viele Studierende berichten von höheren Anforderungen (ob das nun am geringen Ausgleich oder tatsächlich mehr Anforderung liegt, bleibt offen). Das Studium macht immer weniger Spaß und bleibt dennoch der Mittelpunkt im Leben. Während einige die Zeit nutzen, sich komplett ins Studium stürzen und mehr Seminare als zuvor belegen, berichten andere von sinkender Motivation und steigendem Frust und Angst. Schaffe ich das Studium noch in der Regelzeit? Wenn nicht, wird das BAföG weiterhin gezahlt? Kann ich mein Studium überhaupt beenden? Fragen über Fragen, auf die die Antwort, ebenso wie eine Perspektive bislang fehlt. Insbesondere die Umsetzung der digitalen Lehre teilt die Meinungen.

Statt in die Forschung wird in Digitalisierung investiert


Doch in zwei Bereichen haben im vergangenen Jahr alle Studierenden dazu gewonnen: Technikskills und Medienkompetenz. Das das eher notwendig als freiwillig geschah, tut nichts zur Sache. 2020 lag der Fokus aller Hochschulen auf dem Auf- uns Ausbau der digitalen Infrastruktur und die Umsetzung hat wesentlich besser geklappt als erwartet und bei Schulen zu sehen war. Im Gegenzug wurde die Forschung vernachlässigt und Auslandssemester, sowie Länder- und Städtekooperationen haben abgenommen. Schließlich sinkt auch die Wettbewerbsfähigkeit vieler Hochschulen während der Corona Pandemie, über 40% fordern deshalb mehr Unterstützung von der Politik.

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Vorlesungs- und Prüfungsbetrieb fast komplett aufrechterhalten während der Pandemie


Eine Befragung des Centrums für Hochschulentwicklung wiederum zeigt, dass sowohl Vorlesungs- als auch Prüfungsbetrieb trotz Corona fast komplett aufrechterhalten werden konnten. Ebenso ging aus der Befragung hervor, dass sich nur jede fünfte Lehrkraft für eine Öffnung der Hochschulen ausspricht. Die Mehrheit der Studierenden und Lehrenden wünschen sich auch in Zukunft Teilelemente der digitalen Lehre.

Die Online-Lehre funktioniert zwar, aber nicht auf Dauer und als einziges Mittel. Zu häufig treten technische Probleme auf und zu groß ist der Wunsch sich mit Kommilitonen auszutauschen und zu diskutieren, davon lebt die Hochschullehre schließlich. Zudem haben nicht alle genügend Mittel um sich technisch optimal auszustatten, was wiederum Fragen zur Chancengleichheit aufwirft.

Auch der baden-württembergische Ministerpräsident Kretschmann (Grüne) hat eine Meinung zur Online-Lehre, welche er in einem virtuellen Meeting mit Studierenden in Baden-Württemberg äußerte: „Vergleichen Sie Ihre Situation mit der anderer Menschen. Dann werden Sie sehen, dass es keinen Grund dafür gibt, depressiv zu werden.

Ist es so harmlos? Regen sich Studierende nur zu sehr auf? Christine Buchholz, Politikerin der Linken, stimmt zu, dass die Schließung der Hochschulen notwendig sei, merkt jedoch an, dass über die Situation und Folgen, denen Studierende ausgesetzt sind, gesprochen werden muss.

"Digitale Lehre ist besser gelungen als befürchtete, aber keine Lösung."

Unterschiede in der Umsetzung der Lehre gab es zwar schon vor Corona, doch wie vielfältig die Umsetzung sein kann, zeigte sich vor allem im vergangenen Jahr. Neben der unterschiedlichen Gestaltung und Verwendung verschiedener Formate, wie Podcasts, Videos und Live-Meetings unterschieden sich auch die Erreichbarkeit der Dozierenden, Austausch unter Mitstudierenden und die Bedingungen der Prüfungen immens. Trotz geschlossener Mensen, Hörsäle und Bibliotheken reisten hunderte Studierende teilweise durch halb Deutschland um ihre Prüfungen in Präsenz zu absolvieren.

Es gab ein gut durchdachtes Hygienekonzept und wir wurden in mehrere Gruppen und Gebäuden aufgeteilt“, berichtet eine Studentin „Besonders aufregend war es die Menschen von den Bildschirmen hinter den Masken wiederzuerkennen, vor allem weil man nicht weiß, wann es nochmal dazu kommt.“

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Studierende wollen nicht shoppen, sondern endlich wieder in der Hochschule lernen!


Während Großraumbüros noch gefüllt und Frisöre sowie Baummärkte wieder öffnen, sind die Hochschulen nun schon seit über einem Jahr weitestgehend geschlossen. Gleichzeitig wird das Fernstudium zur Pflicht. Weder Hochschulsport, noch Mensen oder Bibliotheken konnten durchhalten, alles ist geschlossen. Wann sich das wieder ändert, weiß wohl keiner.

Während über 90% der Studierenden zur Online-Lehre gezwungen werden, beträgt die Quote der im HomeOffice-Arbeitenden gerade einmal 25%. Sind die Studierenden anfälliger als ArbeitnehmerInnen in Großraumbüros oder hat der Virus Angst vor der Friseurschere und hält sich deshalb von jenen fern? Termine zum Shoppen werden vergeben und Fitnessstudios sollen wieder öffnen. Doch die Türen der Hochschulen bleiben voraussichtlich noch lange zu.

Viele Studierende werden gezwungenermaßen zu Einzelgängern


In Zeiten von Social Distancing und digitaler Lehre nehmen einerseits die sozialen Kontakte ab, anderseits steigt die psychische Belastung nicht nur wegen der finanziellen Sorgen. Seit dem zweiten Lockdown im Herbst 2020 wirken die Studierenden zunehmend ermüdet und genervt. Doch nicht nur Studierende nehmen zunehmend psychologische Beratungen in Anspruch.

Es sind vor allem die Aussichtlosigkeit, höhere Belastung und gleichzeitig kaum vorhandene Abwechslung, die den Studierenden zu schaffen machen. Zudem verlangt die digitale Lehre besondere Motivation und Eigenverantwortung. Während einige das Wegfallen der Fahrt zur Uni und wieder nach Hause als Entlastung wahrnehmen, kritisieren andere, dass sie keinen Tapetenwechsel mehr zwischen Arbeit und Freizeit haben. Besonders schwer ist die Situation für Studierende, die gerade frisch umgezogen sind und nun keinen Anschluss finden und neue Freunde kennenlernen können. Die Psychologin Ranja Kaiser berichtet, dass die Corona-Situation allgemein verstärkend auf psychische Belastungen auswirkt, weil sie Einsamkeit und Selbstzweifel verstärkt.

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Was hilft?
Meckern bringt nur Falten und macht die Situation nicht besser. Psychologen empfehlen stattdessen Struktur in den Alltag zu bringen, jeder muss sich als Überbrückung einen eigenen Sinn schaffen, Routine kann dabei helfen. Außerdem bringen soziale Kontakte (im Netz), Online-Veranstaltungen, Spaziergänge und neue Hobbys etwas Abwechslung. Nichtdestotrotz ist der Frust verständlich, nur macht er die Zeit des Wartens nicht einfacher. Diese Zeit wird wieder vorbei gehen, versprochen. Und bis dahin gilt: durchhalten.

Bildquelle: Vielen Dank an cottonbro, Anna Shvets, Andrea Piacquadio, Karolina Grabowska, Pixabay ©www.pexels.com.

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