Lerntypen: Hilfreich oder doch nur Mythos?

 Lerntypen: Hilfreich oder doch nur Mythos?
Du hast bestimmt schon mal von Lerntypen gehört. Dass manche Menschen über das Hören besser lernen und andere über das Sehen. Doch was steckt dahinter? In diesem Artikel erklären wir, was für verschiedene Lerntypen es gibt, woher sie kommen und ob sie wirklich hilfreich sind oder doch nur ein Mythos.

Was sind Lerntypen?



Lerntypen sind Konzepte aus den Bereichen Psychologie und Pädagogik, die erklären, auf welche Weise Menschen Informationen am besten aufnehmen und verarbeiten. Die Idee dahinter ist, dass jeder Mensch individuelle Lernpräferenzen hat.

Lerntypen wurden erstmals 1975 vom Biochemiker Frederic Vester beschrieben. In seinem Buch „Denken, Lernen, Vergessen“ schreibt er, dass Menschen beim Lernen unterschiedliche Strategien wie visuelle, haptische, auditive oder intellektuelle Ansätze bevorzugen.

Von Neil Fleming wurde 1987 das VARK-Modell entwickelt und es beschreibt, wie Menschen am liebsten lernen. Das Akronym VARK steht für die vier Lerntypen. V steht für visuelles Lernen, A für auditives Lernen, R für Lernen durch Lesen und Schreiben (im Englischen read and write, daher das R) und das K steht für kinästhetisches Lernen. Das Modell zeigt, dass jeder Mensch unterschiedlich lernt und auch oft Lernarten miteinander kombiniert.

Welche verschiedenen Lerntypen gibt es?



Es gibt verschiedene Lerntypen. Die vier gängigsten sind der auditive, der visuelle, der motorische und der kommunikative. Diese vier wollen wir etwas näher vorstellen sowie den medienorientierten und den personenorientierten Lerntyp. Diese Lerntypen stammen nicht aus einem Modell.

Alle Lerntypen sollen verdeutlichen, mit welchen Sinnesorganen wir Menschen angeblich bevorzugt und besser lernen.

Jedem Lerntypen werden bestimmte Eigenschaften zugesprochen:

So lernt der auditive Lerntyp am besten über das Hören und Sprechen. Man erkennt ihn daran, dass er seine Lippen beim Lernen bewegt und die Inhalte laut aufsagt. Auditive Lerntypen können sich schnell Gedichte und Lieder merken. Sie sind aufmerksame Zuhörer und können Gesagtes hervorragend nacherzählen.

verschiedene Lerntypen nutzen verschiedene Sinnesorgane

Der visuelle Lerntyp wiederum lernt über das Sehen. Er nimmt Informationen besser auf, wenn er ein Bild oder einen Text vor sich hat oder es sich bildlich vorstellen kann. Dieser Lerntyp macht sich häufig Notizen. Er arbeitet genau und ordentlich und kann sich gut an Details erinnern. Seine Hobbys können unter anderem Lesen und Puzzeln sein. Außerdem ist er gut im Memory-Spiel.

Mithilfe von Bewegung, Anfassen und praktischem Ausprobieren lernt der motorische Lerntyp. Wie der Name schon verdeutlicht, ist er praktisch veranlagt und bewegt sich gern. Menschen mit diesem Lerntyp legen gerne selbst Hand an und nutzen beim Erzählen ihre Hände.

Ein weiterer Lerntyp ist der kommunikative. Dieser lernt besonders gut durch das Gespräch mit anderen sowie durch rege Mitarbeit und Diskussionen. Er ist ein guter Redner und ein noch besserer Zuhörer. Menschen mit diesem Lerntyp lieben Partner- und Gruppenarbeit.

Es gibt auch den personenorientierten Lerntyp. Diesem fällt es leichter zu lernen, wenn er den Lehrer oder Dozenten mag. Wenn er einen guten Draht zur Lehrkraft hat, kann er sich besser konzentrieren und dementsprechend besser lernen. Dieser Lerntyp sitzt bei Vorlesungen gerne vorne und lernt lieber mit wenigen Personen oder ganz allein.

Als Letztes stellen wir den medienorientierten Lerntyp vor. Dieser lernt effektiver mit technischen Medien und begeistert sich für technische Zusammenhänge. Dieser Lerntyp hat eine Affinität für verschiedenartige Medien wie Filme, Videos, Hörspiele, Audioaufnahmen, Bücher, Zeitschriften, Videospiele und mehr.

verschiedene Lerntypen bevorzugen Gruppenarbeit

Lerntypen: Wissenschaftlich belegt oder Mythos?



Nachdem wir nun die verschiedenen Lerntypen vorgestellt haben, stellt sich die Frage, ob sie wirklich fundiert sind. Stimmt es wirklich, dass einige Menschen visuell besser lernen und andere motorisch? Die klare Antwort lautet „nein“. Die Annahme, dass Menschen nur nach einem Lerntyp lernen, ist falsch.

Die verschiedenen Lerntypen sind nicht wissenschaftlich belegt. Es gibt keine überzeugenden Belege dafür, dass Lernen besser funktioniert, wenn man sich nur auf einen Typ fokussiert. Die Einteilung nach Lerntypen kann Lernende sogar benachteiligen. Denn oft werden Menschen, die visuell lernen, als intelligenter wahrgenommen als diejenigen, die praktisch orientiert sind. Auch wenn dem nicht so ist. Außerdem behindert man sich selbst, wenn man sich nur auf einen Lerntyp festlegt. Jeder hat zwar gewisse Vorlieben beim Lernen, das heißt aber nicht, dass man nur einem einzigen Lerntyp angehört. Jeder Mensch ist ein Mischtyp, verschiedene Lerntypen treffen zusammen und werden unterschiedlich genutzt. Man sollte also lieber multisensorisch lernen. Denn man nimmt Informationen nicht nur über ein Sinnesorgan, sondern über mehrere auf.

Lerntypen sind eine Erfindung und gelten heute in der Wissenschaft als veraltet und überholt. Trotzdem werden sie noch angewendet, da sie bequem und einfach sind. So ist es leichter, sich auf eine Sache festzulegen und zu sagen: „Ich bin ein visueller Lerntyp, weil ich gerne lese“. Doch bloß, weil man etwas gerne tut, heißt es nicht, dass man darin besonders gut ist bzw. dass man nur visuell lernen sollte.

Am besten lernen wir, wenn verschiedene Hirnregionen angesprochen werden. Zudem fördert es auf kognitiver Ebene den Lernprozess, unterschiedliche Medien zu verwenden. Inhalte werden besser verarbeitet und behalten, wenn unterschiedliche Darstellungsformen verwendet werden, da sie verschiedene Denkprozesse aktivieren. Aus genau diesem Grund bauen zahlreiche zeitgemäße Lernkonzepte bewusst auf abwechslungsreiche Lernformate.

Bei den verschiedenen Lerntypen bevorzugen manche den visuellen

Fazit



Die Annahme, dass es verschiedene Lerntypen gibt und jeder Mensch einem gewissen Typ zugeordnet werden kann, ist ein Mythos, der sich aber trotzdem noch hartnäckig hält und gerne verbreitet wird.

Das Konzept, dass man einem einzigen Lerntyp angehört und mit diesem am besten lernt, ist veraltet und nicht wissenschaftlich belegt. Wenn man sich nur auf einen Lerntyp fokussiert, behindert man sich selbst beim Lernen und lernt dabei am Ende sogar weniger, als wenn man verschiedene Lernmethoden nutzt.

Der Mensch ist darauf ausgelegt verschiedene Sinnesorgane beim Lernen zu nutzen. Oft verwenden wir diese auch unbewusst, nehmen so neue Informationen auf und speichern sie ab.

Vielen Dank für die Bilder an Brooke Cagle, Julio Lopez, Kelly Sikkema und Mark Paton ©unsplash.com

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