Zurück zum Papier! Warum wir am Laptop schlechter als mit dem Stift lernen

Zurück zum Papier! Warum wir am Laptop schlechter als mit dem Stift lernen Schon Edward Bulwer-Lytton, englischer Romancier des 19. Jahrhunderts schrieb: „Die Feder ist mächtiger als die Tastatur.“ Oder zumindest etwas ganz Ähnliches. In den Hörsälen, an den Schreibtischen und in der Bibliothek hat ein andauerndes Klackern von Tastaturen das Kratzen von Stift auf Papier ersetzt und vielleicht sollten wir uns fragen, ob nicht auch Nachteile mit dieser neuen, immer stärker digitalisierten Arbeitsweise verbunden sind. Per Hand mitschreiben hat nämlich viele Vorteile.

Bewusster lernen


Wer mit dem Stift schreibt, baut offenbar eine stärkere Verbindung zu dem Geschriebenen auf als jemand, der nur abtippt.

Zumindest legt das eine Studie des Fachblattes Psychological Science von 2014 nahe. Hier haben Forscher herausgefunden, dass besonders komplexe Themen und Zusammenhänge durch handschriftliches Notieren besser vom Gehirn verarbeitet und gespeichert werden. Wenn man sich vor Augen hält, wie man auf dem Papier und im Gegensatz dazu auf einem Laptop mitschreibt, handelt es sich dabei um eine sehr plausible Annahme.

Am Notebook lernen:


• Gibt es durch die Tastatur als Eingabegerät einen viel deutlicheren Zwischenschritt von der Eingabe bis zum Erscheinen des Textes.

• Können auch nur kleinste Ruckler den Schreibfluss stören, genauso wie markierte Rechtschreib- und Grammatikfehler, die man nebenbei ausbessert.

• Ist das Mitschreiben von Tabellen und anderen Tafelbildern oft umständlicher.

Mit dem Stift lernen:


• Kann schnell und jederzeit notiert werden, es gibt kein hochfahren und keine Wartezeiten.

• Können durch Umkreisen, Pfeile zwischen Begriffen etc. Zusammenhänge direkt visualisiert werden.

• In einem Notizblock kann man häufig auch schneller zur letzten Stunde oder einem anderen Thema blättern, wenn man spontan einen Zusammenhang erkennt und diesen festhalten will.

Qualität statt Masse


Nach der besagten Studie sind solche Aspekte beim reinen Faktenlernen weniger wichtig.

Dass wir aber mit Stift und Papier, beim per Hand mitschreiben eine direktere Verbindung zum Lernstoff haben und uns vielleicht auch stärker auf das Mitschreiben konzentrieren, scheint offensichtlich zu sein. Dabei kommt es nach den Ergebnissen der Studie übrigens auch nicht auf die Menge zum Beispiel von notierten Mitschriften an.

Obwohl Probanden an Laptops im Durchschnitt mehr Wörter mitschreiben, sind ihnen die analog arbeitenden Konkurrenten überlegen. Man könnte also sagen, dass eine überlegt ins Notizheft gekritzelte Mindmap das Konzeptuelle Verstehen viel besser fördert, als eine wortwörtliche, hübsch formatierte Mitschrift auf dem Laptop.

Was heißt bewusst schreiben?


Im Zusammenhang mit dem Thema der handschriftlichen Notizen wird immer wieder vom bewussten Schreiben und bewussterem Notieren gesprochen. Aber was bedeutet das eigentlich?

Vor allem geht es hierbei darum, dass viele Studenten dazu neigen, ganze Vorlesungen und Seminare protokollartig mit zu tippen. Denn: wenn jedes Wort des Dozenten später in der Datei steht, hat man auch nichts verpasst. Zumindest scheint das der Grundgedanke hinter dem Dauertippen zu sein. Wie sich aber schon gezeigt hat, ist es nicht die Masse der Notizen, die den Unterschied macht.

Was die Handschrift vor allem vom Tippen unterscheidet ist, dass man bewusster aussucht, was notiert wird und was nicht. Kommt einem etwas besonders wichtig vor, wird beim per Hand Mitschreiben eine zusätzliche Notiz an den Rand geschrieben. Kennt man ein Thema bereits, schreibt man lieber nicht mit und hört einfach mal mit voller Aufmerksamkeit zu. So entwickelt handschriftliches notieren im Studium oft eine Dynamik, die viel eher dem eigenen Lerntyp entspricht, als stumpfes Abtippen.

Die Ausnahme: Laptops mit Stift


Natürlich werden einige sagen, dass es mittlerweile genug Eingabegeräte gibt, auf denen auch handschriftlich notiert werden kann.

So gibt es zum Beispiel Laptops, die einen Touchscreen haben und Software zur Verfügung stellten, welche Handschriften gut erkennen und umsetzen kann. So lässt sich mit Sicherheit am ehesten der Lerneffekt erzielen, der sonst wohl dem Stift auf dem Papier vorbehalten ist. Was hier immer noch fehlt ist natürlich die Möglichkeit, schnell mal eine Seite zurück zu blättern, zur letzten Stunde oder einem anderen Thema.

Fazit: Selbstverständlich möchte heute niemand mehr ohne Internet und Laptop sein Studium absolvieren, dafür hat die digitale Welt einfach zu viele Vorteile. Das kann selbst der Autor dieses Textes zugeben, der ein glühender Verfechter analoger Mitschriften ist und mindesten 20 volle Notizbücher aus seinem Studium im Regal stehen hat. Aber gerade dann, wenn es darum geht Zusammenhänge und System zu begreifen und zu durchschauen, ist per Hand mitschreiben im Studium wichtig. Und wenn wir mal ganz ehrlich sind: vollgeschriebene Notizbücher im Regal machen auch einfach mehr her, als ein paar Ordner auf dem Desktop.

Bildquelle: Vielen Dank an StartupStockPhotos für das Bild (© StartupStockPhotos/www.pixabay.de).

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Kommentare

Userbild von juliapabst
12. April 2018 · 15:54 Uhr
juliapabst
Verwenden Sie die Handschrift für Notizen und skizzieren Sie erste Entwürfe. Laptops für alles andere ...

Ich denke, die Handschrift sollte immer noch gelehrt werden, aber nicht mit der gleichen Betonung wie in der Vergangenheit. Für das Hauptschreiben (dh Geschwindigkeit und Eignung) sollte ein Computer / Laptop die Norm sein. Aber für alle anderen Dinge - wie schnelles Notizenmachen, Skizzieren des ersten Entwurfs eines Essays oder Herumspielen mit der Struktur einer Arbeit - sollte Handschrift verwendet werden. Unter Deutschschreiben finden Sie einige.

Ich habe in den letzten zwanzig Jahren als Lehrer gearbeitet und da Technologie immer mehr in den Klassenraum und in die Gesellschaft im Allgemeinen Einzug gehalten hat, habe ich oft über die Bedeutung von Handschrift nachgedacht. Ich denke jetzt, dass es mehr Rückstände nehmen sollte, um mehr Zeit im Klassenzimmer für relevantere Aktivitäten freizumachen.

Lehrer wie ich können solchen Chancen widerstehen, weil das Lehren von Handschrift eine so große Fähigkeit und so ein großer Teil unserer Jobs ist und wir irgendwie, vielleicht unbewusst, ihre Ersetzung durch den Verlust einer Schlüsselrolle unserer Funktion als Lehrer sehen, aber letztendlich, unsere Jobs auch. Was natürlich alles ein bisschen Unsinn ist. Alles, was passiert, ist, dass Veränderungen eintreffen und wir müssen sie annehmen und mit der Zeit gehen.
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