Techniken und Tipps zum Auswendiglernen

Techniken und Tipps zum Auswendiglernen Egal ob Überblicke, Mindmaps, Zusammenfassungen, Formeln oder Definitionen: Studenten müssen sich während ihres Studiums eine Vielzahl an Wissen aneignen und dieses idealerweise auch langfristig abrufen können. Doch auswendig zu lernen bedeutet nicht zwangsläufig auch erfolgreich zu lernen. Verstehen ist viel wichtiger als bloßes stupides Lernen.

Im Umkehrschluss ist es aber auch unklug, dem Auswendiglernen im Studium par se mit negativen Vorurteilen zu begegnen, schließlich hat uns diese Lerntechnik bereits zu Schulzeiten - wir erinnern uns an das Erlernen der Rechtschreibung, des Einmaleins oder der Englisch Vokabeln - gute und vor allem nachhaltige Dienste geleistet.

Daher stellen wir dir hier die 8 besten Tipps zum langfristigen Auswendiglernen vor und erklären, wie du schnell, effektiv und vor allem nachhaltig dein Gehirn mit studienrelevanten Inhalten füttern kannst.

1. Nicht nur auswendig lernen, sondern langfristig verinnerlichen


Natürlich ist es nicht ratsam, den Studienstoff für eine Klausur nur einmal stupide auswendig zu lernen. Bei derartigem Bulimielernen ist der langfristige Effekt nämlich gleich 0. Dein Ziel sollte es daher sein, dir das Wissen, insbesondere die Grundlagen deines Faches, nachhaltig einzuprägen. Somit kann dein Gehirn beim Lernen darauf aufbauender und schwierigerer Sachverhalte schnell auf die Basics zurückgreifen und du musst nicht erneut ganz von vorn beginnen.

Auswendiglernen empfiehlt sich daher insbesondere dann, wenn du schon etwas von dem Themenbereich weißt. Unser Gehirn kann Wissen nämlich nur anwenden, wenn es dieses mit anderem, bereits vorhandenem Wissen in Zusammenhang bringen kann. Du wirst sehen, du sicherst dir so einen enormen Zeitvorteil bei der Vorbereitung von künftigen Prüfungen.

2. Spickzettel schreiben


Gerade bei komplexeren Lernthemen empfiehlt es sich, wichtige Zusammenfassungen, Formeln und Definitionen in Kurzform aufzuschreiben. Sichte zunächst deine kompletten Lernmaterialien und markiere die Themen farbig nach Priorität. Danach schreibst du deinen Spickzettel. In der Regel genügen bei Definitionen lediglich 2-3 Sätze, manchmal auch nur Stichwörter. Alternativ kannst du auch mit Grafiken, Mindmaps und Bildern arbeiten.

Anschließend sprichst du das soeben Geschriebene laut vor dich hin. Dies kann ruhig etwas übertrieben sein. Die Bewegung deiner Mund- und Kiefermuskulatur unterstützt den Lernvorgang, da mehrere Sinne angesprochen werden.

Derartige Spickzettel kannst du in deiner ganzen Wohnung aufhängen. Jedes Mal, wenn du z.B. beim Gang ins Bad an einem Zettel vorbeikommst, hältst du kurz inne und memorierst den jeweiligen Lernstoff.

Natürlich sollte der Spickzettel nur zu Lernzwecken dienen, davon ihn tatsächlich mit in die Klausur zu nehmen, ist dringend abzuraten!

3. Mnemotechnik verwenden


Die sogenannte Mnemotechnik dient dem langfristigen Speichern und Behalten von Informationen im Langzeitgedächtnis. Für dieses Gedächtnistraining werden verschiedene Merkhilfen entwickelt. Darunter fallen z.B. Eselsbrücken, Reime oder Grafiken.

So kannst du dir etwa Assoziationsketten erstellen, bei denen du die einzuprägenden Begriffe wie die Glieder einer Kette so aneinander hängst, dass die richtige Reihenfolge erhalten bleibt. In dem du dir eine einfache, leicht zu merkende Geschichte ausdenkst, erinnerst du dich automatisch an die jeweiligen Begriffe. Ein beliebtes Beispiel aus Schulzeiten um die Reihenfolge der Dur-Tonarten mit Kreuz-Vorzeichen im Quintenzirkel zu lernen, ist „Geh Du Alter Esel Hole Fische.“

Die Loci-Methode (häufig auch als Routen-Methode bezeichnet) zielt ebenfalls auf das Einprägen von Reihenfolgen. Dabei durchläuft unser Geist immer dieselbe Route. Für jeden Routenpunkt werden bestimmte Schlüsselwörter festgelegt, welche mit Bildern oder Geschichten verknüpft werden. Folgt man anschließend diesem Pfad, so können automatisch die erlernten Begriffe in einer bestimmten Abfolge wiedergegeben werden.

Für das Vokablen lernen, eignet sich unterdessen auch die Schlüsselwortmethode. Dabei werden die Vokabeln mit deinem bereits vorhandenen Wissen verknüpft. In der Regel geschieht dies durch bekannte Wörter aus der Muttersprache, die der neuen Vokabel ähnlich klingen. Aus jedem Schlüsselwort und der Bedeutung der Vokabel wird im Geiste ein Bild entwickelt. Wenn du dir z.B. das englische Wort für See „Lake“ einprägen möchtest, bildest du im Geiste ein Bild mit dem im Deutschen ähnlich klingenden Schlüsselwort „Leck“:

„Wenn das Meer ein Leck hat, dann schrumpft es zum See zusammen.“

Hörst du später das Wort „Lake“, so denkst du an das ähnlich klingende „Leck“ und erinnerst dich automatisch an den See. Die Übersetzung ist gefunden.

Die Methoden sind vielfältig und funktionieren nicht nur bei einfachen Folgen. Gedächtnissportler haben Systeme entwickelt, mit denen sie fähig sind, tausende Wörter oder Zahlen zu memorieren. So kann beispielsweise Weltrekordhalter Simon Reinhard in nur 15 Minuten eine Liste mit 300 Wörtern auswendig lernen und anschließend fehlerfrei in der richtigen Reihenfolge wiedergeben. Chao Lu, der amtierende Weltrekordhalter im Pi-Sport, schaffte es 2005, unglaubliche 67.890 Nachkommastellen von Pi wiederzugeben.

4. Wiederholen, wiederholen, wiederholen


Du kannst die beste Lernmethode haben, ohne Wiederholung wirst du trotzdem auf lange Sicht fast alles wieder vergessen. Damit die Lernstoffe wirklich vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis transportiert werden, ist ein regelmäßiges Repetieren und Auffrischen daher unumgänglich.

Bei Formeln oder Vokabeln bietet es sich an, diese praktisch einzusetzen, diese also durch Übungsrechnungen zu festigen oder gezielt Sätze mit den Vokabeln zu bilden.

Wichtig ist auch der richtige Abstand der Wiederholungen. So solltest du nach ca. 8 Stunden das erste Mal das Gelernte wieder durchgehen. Am folgenden Tag wird die 2. Wiederholung angesetzt, am darauffolgenden Tag die 3., usw. Je regelmäßiger die Wiederholungen erfolgen, desto langfristiger wird das Gelernte im Langzeitgedächtnis gespeichert.

5. Mit Karteikarten arbeiten


Zum langfristigen Lernen sind Karteikarten super geeignet. Insbesondere mit dem 1973 von Sebastian Leitner entwickelten Karteikastensystem können Definitionen, Vokabeln und Formeln sicher und systematisch im Langzeitgedächtnis gespeichert werden. Das Prinzip ist denkbar einfach: du nimmst dir einen Stapel Karteikarten und schreibst eine Frage bzw. den zu lernenden Begriff auf eine Seite. Auf die Rückseite kommt dann die entsprechende Antwort. Darüber hinaus benötigst du einen Karteikasten. Dies kann ein einfacher Schuhkarton mit z.B. 5 Fächern sein.

Anschließend gehst du alle Fragen bzw. Begriffe durch. Jene Karteikarten, bei denen du die korrekte Antwort bereits weißt, rutschen ein Fach weiter, die anderen, nicht oder nur unzureichend beantworteten Fragen verbleiben im 1. Fach. Alle Karteikarten im 1. Fach solltest du täglich durchgehen, jene der anderen Fächer in bestimmten Rhythmen (z.B. Karteikarten aus 2. Fach alle 2 Tage, aus 3. Fach alle 3-4 Tage usw.), um sie langfristig zu behalten. Fragen, die du kontinuierlich richtig beantwortest, rutschen in den Fächern immer weiter bis ins 5. Fach. Hier kann davon ausgegangen werden, dass du diese Lernstoffe langfristig verinnerlicht hast. Die Wiederholungsphasen sind entsprechend größer. Solltest du hingegen eine Frage zwischenzeitlich nicht mehr beantworten können, rutscht die Karteikarte wieder ins 1. Fach und der Lernprozess beginnt erneut. Das Gute dabei: die Lernstoffe, die dir schwer fallen, werden häufiger gelernt, einprägsamere Zusammenhänge werden hingegen nur so häufig wie nötig abgefragt.

Mittlerweile gibt es auch zahlreiche verschiedene Anbieter von speziellen Software Lösungen zum digitalen Lernen mit Karteikarten, wie z.B. Brainyoo oder CoboCards. Medizinstudenten, die sich auf die Anatomie-Prüfung vorbereiten wollen, können sich zudem einmal bei Kenhub umsehen, wo nicht nur mit Fragen/Antworten, sondern auch mit sehr anschaulichen Illustrationen gearbeitet wird.

6. Die Lernorte wechseln


Gerade in der Prüfungsphase, wo meist mehrere Klausuren anstehen, auf die es sich vorzubereiten gilt, lohnt es sich, die Lernorte zu wechseln. So kannst du z.B. an deinem Schreibtisch für den Themenkomplex A/Klausur A, in der Küche nur für den Themenbereich B/Klausur B und auf deinem Bett für das Thema C/Klausur C lernen.

Das Wissen wird im Geiste somit an verschiedene Orte geknüpft und du kannst dich besser auf die jeweiligen Lerninhalte konzentrieren.

7. Eine Lerneinheit kurz vor dem Einschlafen einlegen


Die meisten Menschen sind tagsüber am leistungsfähigsten. Laut Psychiater Manfred Spitzer lohnt es sich aber dennoch, die letzte Lern- bzw. Wiederholungseinheit kurz vor die Schlafenszeit zu legen.

Willst du Definitionen und Zusammenfassungen wirklich langfristig verinnerlichen, müssen die Informationen im Gehirn nämlich vom Hippocampus in die Großhirnrinde gelangen. Dies geschieht jedoch erst wenn wir schlafen, denn im Tiefschlaf lädt sich unser Gehirn die gespeicherten Informationen vom Hippocampus herunter und verarbeitet diese während der REM-Phase. Lernst du also erst kurz vor dem zu Bett gehen, können alle dem Gehirn eben erst zugeführten Infos, effektiv aufgearbeitet und später direkt angewandt werden.

8. Last Minute zum Lernerfolg


Wenn der Klausurtermin unaufhaltsam näher rückt und du das Lernpensum in der verbliebenen Zeit vermutlich nicht mehr komplett bewältigen kannst, heißt es „Mut zur Lücke“. Selektiere den Lernstoff nach den (idealerweise im Voraus von deinem Dozenten genannten) Schwerpunktthemen und konzentriere dich zunächst vollends darauf. Erst wenn du diese Lernbereiche im Schlaf herunterbeten kannst, sollte der Fokus auf Randthemen, Sonderfälle und Exkurse verlagert werden.

Tipp: Passend dazu haben wir dir auch noch einmal ausführlich 10 Tipps zum Last Minute Lernen zusammengefasst.

Bildquelle: Vielen Dank an Erdbeermarmelade für das Bild (© Erdbeermarmelade/www.photocase.de)


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