Wie finanzieren sich deutsche Studierende?

Wie finanzieren sich deutsche Studierende?
Dass Studenten ein geringes Einkommen haben, ist kein Geheimnis. Neben einem Vollzeitstudium mit Präsenszeiten von 30 Stunden und mehr pro Woche, Hausarbeiten und Prüfungen bleibt eben wenig Zeit für einen Nebenjob – der auch nicht immer gut bezahlt ist. Dennoch muss das Geld für den Lebensunterhalt ja auch bei Studenten von irgendwo herkommen. Antworten dazu liefert die 22. Sozialerhebung.

Wichtige Fakten zur 22. Sozialerhebung



Durchgeführt wurde die 22. Sozialerhebung im Sommersemester 2021, veröffentlicht im Mai 2023. Dabei handelt es sich um die größte Studienbefragung Deutschlands der Studentenwerke. Größtes Manko der aktuellen Studie: Die Inflation und Preissteigerungen, die sich seit Herbst 2023 zu bemerken machen, sind bei dieser Studie noch nicht mit eingerechnet. Deswegen sollten bei einigen der hier genannten Kosten rund 10% darauf gerechnet werden, um aktuelle Zahlen zu erhalten. Dennoch enthält die Studie viele relevante Daten, um die wirtschaftliche und soziale Lage von deutschen Studierenden abzubilden.

Insgesamt nahmen rund 188.000 Studierende an 250 Hochschulen an der Befragung Teil und äußerten sich neben ihrer finanziellen Situation zu Themen wie Zeitbudget, Studienfächern und einigen mehr, um die es uns im weiteren Textverlauf aber nicht gehen soll. Wir wollen der Frage anhand der 22. Sozialerhebung nachgehen: Wie finanzieren sich deutsche Studierende?

Tipp: Wer sich als Student mit dem Thema Finanzierung auseinandersetzt, dem stellt sich auch die Frage nach dem passendem Studentenkonto. Es gibt einige Banken, die Studierenden ein kostenloses Girokonto anbieten, so zum Beispiel die DKB.


Wie finanzieren sich deutsche Studierende? Finanzierungsquellen



Die kurze und knappe Antwort lautet: Im Schnitt 1.106 Euro. Das sind im Vergleich zur 21. Sozialerhebung von 2016 mit durchschnittlichen 918 Euro glatte 17 Prozent mehr. Vor neun Jahren mussten Studenten noch mit 864 Euro im Monat auskommen. Aber es darf nicht vergessen werden, dass vor neuen Jahren die Lebenshaltungskosten auch noch geringer ausfielen. Auf welche Finanzierungsquellen greifen Studierende hierbei zurück?

Anteil der Nutzung sowie Höhe der Finanzierungsquellen von Studierenden (in % und in €) (Mehrfachnennung):

Wie finanzieren sich deutsche Studierende?

Im Vergleich mit der 21. Sozialerhebung ist auffällig, dass vor allem der Anteil der Studierende, die einen Kredit aufnehmen, um ihr Studium zu finanzieren, gestiegen ist. Während es 2016 noch rund 7% der Studierende waren, sind es 2021 bereits rund 15%. Dagegen sind die Studierende, die BAföG beziehen, von 25% auf rund 10% gesunken - aktuell dürfte der Wert wieder etwas höher sein.

Die Unterstützung durch Eltern ist mit 87,7% im Vergleich zu 86% im Jahre 2016 relativ konstant geblieben, auch die Erwerbstätigkeit neben dem Studium ist für viele Der hohe Anteil der Finanzierung durch den Partner ist wohl durch die Jobverluste während der Corona-Pandemie zu erklären und aktuell vermutlich nicht mehr relevant.

Welche Ausgaben haben Studierende im Monat?



In Summe betragen die durchschnittlichen Ausgaben eines Studenten in Deutschland 850 Euro - gegenüber den Einnahmen sind sie also mit rund 250 Euro im Monat im Plus. Aber: Aufgrund der Inflation dürfte dieser Betrag mittlerweile bedeutend kleiner geworden sein. Was sind die größten Kostenfresser im Studium? Folgende Grafik liefert Antworten:

Wie finanzieren sich deutsche Studierende?

Dass die Mietkosten bei den Ausgaben am stärksten zu Buche schlagen, dürfte wenig überraschen. Im Mittel bezahlt ein Student in Deutschland hierfür 410 Euro. Steigende Mietpreise machen sich vor allem in Universitätsstädten bemerkbar. Zwar galten auch 2016 schon die Mieten als größter Kostenfaktor, damals allerdings nur mit 323 Euro. Mittlerweile durften die Mietpreise sogar noch weiter gestiegen sein. Laut einer aktuellen Studie des Moses Mendelssohn Instituts in Zusammenarbeit mit dem Portal WG-gesucht steigt die Durchschnittsmiete im Jahr 2023 für Studierende auf 458€ im Monat.

Tipp: Von uns erfahrt ihr, welche Universitätsstädte die günstigsten und teuersten sind.


Zweitgrößte Position – und auch die dürfte wenig überraschen – ist die Ernährung. Ob selber Kochen oder Mensa, auch bei den Ausgaben für Lebensmittel verzeichneten die Ausgaben von Studenten bei 198€, diese dürften aktuell aber sogar noch höher ausfallen.

Angestiegen sind außerdem die Gesundheitskosten und Fahrtkosten, zum Teil erklärbar mit den angestiegenen psychischen und physischen Problemen von Studierenden während der Corona-Pandemie. Da die Lebenskosten insgesamt stiegen, gaben Studenten offenbar weniger für den eigenen Bedarf aus. Die Ausgaben für Kleidung und Lernmittel sind im Vergleich zu 2016 gesunken.

Wie finanzieren sich deutsche Studierende? Studienfinanzierung aus Sicht der meisten Studierenden gesichert



Wie sehen die Studierende selbst ihre finanzielle Situation? Ist es für die Studierenden möglich, auch mit gestiegenen Lebenskosten ihr Studium zu finanzieren? Einblick gibt folgende Grafik:

Finanzierung Studium

Rund 77% der Studierenden in Deutschland gelingt es, das Studium und den Lebensunterhalt zu finanzieren. Bei einem kleineren Teil von Studierenden trifft dies allerdings (überhaupt) nicht zu. Rund 10% der Studierende haben derzeit finanzielle Schwierigkeiten oder können ihr Studium ohne weitere finanzielle Hilfen nicht fortsetzen!

Fazit:
Alles in allem zeigt die 22. Sozialerhebung, dass viele Studierende aufgrund der steigenden Lebenskosten in einer prekären finanziellen Situation stecken, vielerorts das Bafög nicht ausreicht und auf andere Finanzierungsquellen wie die Eltern oder ein Studienkredit zurückgegriffen werden muss. Einige Studierenden müssen ihr Studium aufgrund der finanziellen Lage sogar abbrechen, was die Bildungsministerin alarmieren und Studierende dringend mit einem höherem Bafög Satz und anderen finanziellen Mitteln unterstützt werden müssten.

Bildquellen: Vielen Dank an und garten-gg ©pixabay.com und ©studentenwerke.de

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