Wie finanziert sich der deutsche Student?

Wie finanziert sich der deutsche Student? Dass Studenten ein geringes Einkommen haben, ist kein Geheimnis. Neben einem Vollzeitstudium mit Präsenszeiten von 30 Stunden und mehr pro Woche, Hausarbeiten und Prüfungen bleibt eben wenig Zeit für einen Nebenjob – der auch nicht immer gut bezahlt ist. Dennoch muss das Geld für den Lebensunterhalt ja auch bei Studenten von irgendwo herkommen.

Wichtige Fakten zur 21. Sozialerhebung


Durchgeführt wurde die Sozialerhebung im Sommersemester 2016. Die Anhebung des BAföG-Höchstsatzes von damals 670 auf 735 Euro zum Wintersemester 16/17 war demzufolge noch nicht berücksichtigt. Sie fällt jedoch nicht allzu stark ins Gewicht, denn wie wir im Folgenden sehen werden, ist BAföG beileibe nicht die Haupteinnahmequelle der Studierenden.

Insgesamt nahmen 70.000 Studenten an der Befragung Teil und äußerten sich neben ihrer finanziellen Situation zu Themen wie Zeitbudget, Studienfächern und einigen mehr, um die es uns im weiteren Textverlauf aber nicht gehen soll.

Zur sog. Zielgruppe „Fokus-Typ“, die für die Bestimmung der Studienfinanzierung und wirtschaftlichen Situation relevant war, zählten nur ledige Studenten, die allein wohnten, ein Studium in Vollzeit absolvierten und noch keinen Hochschulabschluss erlangt hatten. So wurde sichergestellt, dass die Befragten hinsichtlich relevanter Merkmale auch vergleichbar waren – denn natürlich zahlt ein Student mit eigenem Haushalt mehr für den Wohnungsunterhalt als jemand, der noch zu Hause bei den Eltern wohnt. Mit diesen Anforderungen entsprach der Fokus-Typ 51 Prozent der Grundgesamtheit.

Wie viel Geld haben Studierende im Monat zur Verfügung


Die kurze und knappe Antwort lautet: Im Schnitt 918 Euro. Das sind im Vergleich zur 20. Sozialerhebung von 2012 76 Euro, oder nominal 9 Prozent, mehr. Vor vier Jahren mussten Studenten noch mit 842 Euro im Monat auskommen.

469 Euro (51 Prozent) erhalten sie im Durchschnitt von den Eltern, was somit ihrer größten Einnahmequelle entspricht. Dieser Anteil stieg leicht um 1 Prozent. Ebenfalls gestiegen sind die Einnahmen aus dem eigenem Verdienst – und zwar um 4 Prozent. Damit legten sie am stärksten zu und bestätigen den Trend, dass immer mehr Studenten einem Nebenjob zum Studium nachgehen.

Während die Einnahmen aus sonstigen Quellen wie Ersparnissen, Stipendien oder Darlehen auf Raten ebenfalls anstiegen und 2016 durchschnittlich 104 Euro ausmachten, sank der Anteil an Bezügen aus BAföG auf gerade einmal 138 Euro. Das liegt daran, dass ein zunehmend kleiner Teil der Studenten überhaupt eine Förderung nach BAföG erhält. 2016 waren es 18 Prozent, 2012 noch 24 Prozent.

Welche Ausgaben haben Studierende im Monat


In Summe betragen die durchschnittlichen Ausgaben eines Studenten in Deutschland 819 Euro - gegenüber den Einnahmen sind sie also mit 99 Euro im Monat im Plus.

Dass die Mietkosten bei den Ausgaben am stärksten zu Buche schlagen, dürfte wenig überraschen. Im Mittel bezahlt ein Student in Deutschland hierfür 323 Euro (39 Prozent). Dazu sei noch einmal gesagt, dass es sich hierbei um Mietkosten für Studenten handelt, die allein wohnen – Befragte, die sich eine WG mit jemandem teilten oder mit dem Partner zusammengezogen sind, wurden nicht berücksichtigt. Steigende Mietpreise machen sich vor allem in Universitätsstädten bemerkbar. Zwar galten auch 2012 schon die Mieten als größter Kostenfaktor, damals allerdings nur mit 294 Euro (38 Prozent).

Tipp: Von uns erfahrt ihr, welche Universitätsstädte die günstigsten sind.

Zweitgrößte Position – und auch die dürfte wenig überraschen – ist die Ernährung. Ob selber Kochen oder Mensa, auch bei den Ausgaben für Lebensmittel verzeichneten die Ausgaben von Studenten einen leichten Zuwachs von 161 Euro im Jahr 2012 auf 168 Euro 2016. Nominell sank der Anteil der Lebensmittelkosten aber im Vergleich zur 20. Sozialerhebung sogar: Von rund 22 auf etwa 20 Prozent.

Zum Teil stark angestiegen sind außerdem die Ausgaben für Versicherungen und Fahrtkosten. Beim Versicherungsschutz, bei dem vor allem die private Krankenversicherung eine Rolle spielt, zahlten Studenten 80 Euro (10 Prozent) statt 62 Euro (8 Prozent). Der eigene PKW bzw. öffentliche Verkehrsmittel kosteten 2016 94 Euro (11 Prozent)m 2012 dagegen nur 78 Euro (10 Prozent).

Da die Lebenskosten insgesamt stiegen, gaben Studenten offenbar weniger für den eigenen Bedarf aus. 10 Euro weniger für Kleidung (2016 42 Euro, 2012 52 Euro), ebenso viel weniger für Lernmittel (2016 20 Euro, 2012 30 Euro). Zudem waren Studierenden die Bereiche Freizeit, Kultur und Sport 2016 nur noch 61 Euro wert. Vier Jahre zuvor waren das noch 7 Euro im Monat mehr.

Eine übersichtliche Darstellung über alle Einnahmen und Ausgaben von Studierenden liefert die folgende Grafik:

smava Studentenkampange
©www.smava.de

Alter und Bildungsherkunft spielen beim Budget von Studenten eine Rolle


Ältere Studenten haben im Monat mehr Geld zur Verfügung als jüngere, auch das geht aus der 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes hervor. Auch die Verteilung der einzelnen Einnahmequellen unterscheidet sich bei den verschiedenen Altersgruppen deutlich. Werden noch gut zwei Drittel der Studenten der jüngsten Altersgruppe (bis 21 Jahre) von den Eltern gefördert, sind es bei der ältesten Gruppe der Befragten (älter als 30 Jahre) gerade mal 18 Prozent. Dafür steigt die Bedeutung der anderen Einnahmequellen mit zunehmendem Alter. Ab etwa 29 Jahren hat der eigene Verdienst die Elternförderung als wichtigstes Standbein abgelöst.

Auch die in der Studie thematisierte „Bildungsherkunft“ spielt ganz offensichtlich eine Rolle bei der finanziellen Situation der Studierenden. Diese bezieht sich nicht etwa auf den Bildungsgrad der befragten Studenten, sondern auf deren Eltern. Daher ist auch ihr Einfluss auf das Budget der Studis schnell erklärt: Akademiker bekleiden meist höhere Positionen und verdienen dem entsprechend auch besser. Dies ermöglicht es ihnen, ihre Kinder stärker zu unterstützen als Familien mit niedrigem Bildungsstand, die häufig mit einem kleineren Haushaltsbudget auskommen müssen.

Immer noch starke regionale Unterschiede


Wie viel Geld Studenten monatlich zur Verfügung haben, ist auch maßgebend davon abhängig, wo sie studieren. Über 25 Jahre nach der Wiedervereinigung zeigen sich hier noch immer gravierende Unterschiede zwischen Ost und West, das ist dem Hauptbericht der 21. Sozialerhebung zu entnehmen.

2016 verfügen Studenten in den westdeutschen Bundesländern demnach über durchschnittlich 930 Euro im Monat. Mit 839 Euro im Median haben die Studierenden an ostdeutschen Universitäten und Hochschulen dagegen fast 100 Euro weniger.

Eine genaue Aufschlüsselung der Einnahmen nach Bundesländern zeigt das folgende Bild:

Wie viel Geld haben Studenten zur Verfügung?
©www.sozialerhebung.de

Fazit:

Deutsche Studenten sind in überwiegender Mehrheit auf die Unterstützung ihrer Eltern angewiesen. Finanzielle Unabhängigkeit erfolgt wenn überhaupt erst mit steigendem Studienalter – in den meisten Fällen aber erst zum Berufsstart.

Trotz geringer Einkünfte erwirtschaftet der Durchschnitt aller Studierenden am Ende jedes Monats aber sogar ein kleines Plus, was auf Zurückhaltung bei Ausgaben in Sachen Kleidung, Lernmaterial und Freizeitgestaltung zurückzuführen ist.

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Vielen Dank für das Titelbild an ©TheDigitalWay/pixabay.com!
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