Lebenshaltungskosten von Studenten - ein Überblick

Lebenshaltungskosten von Studenten - ein Überblick Die Zahl der Studierenden in Deutschland wächst stetig. Laut statista.de waren Im Wintersemester 2017/18 rund 2.842.000 Studenten an einer Hochschule oder Universität immatrikuliert. Für die überwältigende Mehrheit von ihnen beginnt mit dem ersten Semester auch ein völlig neuer Lebensschnitt. Sie ziehen von zu Hause aus – mitunter hunderte Kilometer weit weg – und bestreiten ihren Lebensunterhalt fortan alleine. Dass das ohne die Unterstützung der Eltern oder staatlicher Fördergelder wie BAföG kaum möglich ist, zeigt die folgende Aufstellung der Lebenshaltungskosten von Studenten.

Lebenshaltungskosten für Studenten in Deutschland
©geralt/pixabay.com

Lebenshaltungskosten für Studenten in Deutschland


Laut der 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks von 2016, an der 55.219 Studierende teilnahmen, kommen auf Studenten im Bundesdurchschnitt monatliche Lebenshaltungskosten in Höhe von 819€ zu. Das sind 42€ mehr als bei der 20. Erhebung aus dem Jahr 2012. Das entspricht einem Anstieg von etwa 5,4%. Geht man davon aus, dass das Preisniveau jährlich um 1-2% steigt, ist dieser Wert vertretbar. Doch wie teilen sich die Lebenshaltungskosten für Studenten in Deutschland auf?

Miete


Durchschnittlich 323€ geben Studenten monatlich für die Zahlung der Miete aus. Jedenfalls ergab das die 21. Sozialerhebung innerhalb der Zielgruppe „Fokus-Typ“. Dabei handelt es sich um die Befragten, die ledig sind, alleine wirtschaften, und ihr Erststudium in Vollzeit ausüben. 2012 lagen die Ausgaben noch bei 294€. Innerhalb von 4 Jahren stiegen die Kosten für Miete demnach um 9,8%. Es ist anzunehmen, dass bei der nächsten Erhebung ein noch stärkerer Zuwachs der Mietkosten zu verzeichnen sein wird.

Schon seit einiger Zeit klagen Verbraucherschützer über steigende, in manchen Regionen gar explodierende Mietpreise. 2017 stieg der durchschnittliche Mietpreis in München innerhalb eines halben Jahres um 3,2% auf 16€ pro Quadratmeter. Im selben Zeitraum betrug der Quadratmeterpreis in ganz Deutschland im Mittel „nur“ 6,90€. Regional sind die Mietpreise aber so unterschiedlich, dass sich nationale Vergleiche kaum heranziehen lassen. Wie auch unserer untenstehenden Grafik von Vouchercloud zu entnehmen ist, zahlt man in den Metropolen oft wesentlich mehr als in ländlichen Regionen, in denen noch Leerstand herrscht. Die meisten Hochschulen und Universitäten befinden sich jedoch in den Ballungsgebieten, in denen sich die Wohnungssuche schwierig gestaltet.

Übrigens: In München ist das Problem mit der Entwicklung der Mietpreise sehr speziell, man könnte fast sagen hausgemacht: Im Jahr 2004 wurde per Bürgerentscheid festgelegt, dass kein Gebäude die beiden Türme der Münchener Frauenkirche überragen darf. Diese sind exakt 98,57 Meter hoch. Der Entscheid sollte der Erhaltung des Stadtbildes dienen, dabei wird heutzutage vor allem in Großstädten auf den Höhenausbau gesetzt, um dem Mangel an Bauflächen entgegenzuwirken.

Lebenshaltungskosten für Studenten Miete
©Alexas_Fotos/pixabay.com

Ernährung


Theoretisch lässt sich an der Ernährung durchaus Geld sparen. Soll es „Der große Bauer“ sein, der seinen Weg von der Kühltheke zu dir in den Kühlschrank findet, oder gibst du dich mit dem Joghurt der Handelsmarke für 19 Cent zufrieden? Dieses Beispiel lässt sich auf die meisten Lebensmittel anwenden. Zudem stellt sich für Studenten immer wieder die Frage: Selbst Kochen oder Mensa?

Eine signifikante Änderung bei den Kosten für Lebensmittel ist nicht zu verzeichnen. Von 161€ im Jahr 2012 stiegen die Ausgaben für Nahrung nur leicht um 7€ auf 168€ (+4,3%) an.

Auto/öffentliche Verkehrsmittel


Mit den Anschaffungskosten ist es bei einem Auto noch lange nicht getan. Kosten für Versicherung, Instandhaltung und Benzin machen den fahrbaren Untersatz zu einer kostspieligen Angelegenheit. Letzterer hat sich von 2003 zu 2013 um 0,457€/l erhöht. Im Juni 2018 betrug er 1,476€/l. Der Hohe Spritpreis lässt auch die Kosten für öffentliche Verkehrsmittel steigen – idealerweise ist eurer Fahrausweis aber im Semesterbeitrag integriert von diesen Erhöhungen weitgehend unberührt.

Die gesteigerten Kosten für Mobilität von Studenten sind beträchtlich. Betrugen sie 2012 noch durchschnittlich 78€ im Monat, zahlten Studenten 2016 94€. Der kostenzuwachs beträgt somit 16€ - ganze 20,5% mussten Studenten 2016 demnach mehr zahlen.

Krankenversicherung/Arztkosten/Medikamente


Die eigene Gesundheit spielt für Studenten eine große Rolle – zumindest kann dieser Eindruck entstehen, wenn man die Kosten von Krankenversicherung, Arztbesuchen und für Medikamente vergleicht. Von 62€ (21012) auf 80€ (2016) stiegen die Ausgaben im Bereich Gesundheit, bei dem vor allem die Beiträge für die Krankenversicherung kräftig zu Buche schlagen. Dies entspricht einem saftigen Anstieg von 29%.

Kleidung


Wenn in vielen Bereichen die Lebenshaltungskosten für Studenten steigen, muss eben in anderen gespart werden, wie zum Beispiel bei Kleidung. Hier gaben die Befragten der Zielgruppe Fokus-Typ an, dass sie im Jahr 2016 42€ im Monat für Kleidung ausgeben würden. 4 Jahre zuvor waren das noch 10€ mehr.

Im bundesweiten Mittel nahmen Studenten bei Kleidung also Einsparungen von 23,8% vor.

Freizeit, Kultur und Sport


Die Ausgaben in Sachen Freizeit hängen sehr stark vom Lebensstil ab. Geht ihr mindestens einmal die Woche ins Kino und auf Partys oder ist das für euch eher die Ausnahme als die Regel? Die eignen Gewohnheiten spiegeln sich direkt im Monatsbudget wider.

Im Schnitt sind deutsche Studenten bei der 21. Sozialerhebung auch bei der Freizeitgestaltung etwas kürzer getreten. Statt 68€ im Jahr 2012, gaben sie 2016 nur noch 61€ aus (-10,3%).

Interessanterweise ist dieser Rückgang nicht immer auf eine reine Kostenersparnis zurückzuführen. Eine Befragung der Zeppelin University in Friedrichshafen ergab beispielsweise, dass Veranstalter und Studenten beim Thema Kulturangebot innerhalb der Region schlichtweg aneinander vorbeiredeten. Die Betreiber setzten bei ihren Events vorwiegend auf Plakatwerbung, Studierende hingegen informierten sich aber in erster Linie über soziale Netzwerke.

Lernmittel


In absoluten Zahlen verhielt es sich bei Lernmitteln genau wie mit der Kleidung – Studenten gaben 2016 im Schnitt 10€ weniger aus als noch 2012. Statt 30€ (2012) lagen die Kosten für Lernmittel nur noch bei 20€ (-50%).

Diese Einsparungen können aber auch im indirekten Zusammenhang mit dem Fortschritt der Technik stehen. Immer mehr Studenten tauschen beispielsweise den Schreibblock für die Mitschrift in der Vorlesung gegen das Touchdisplay eines Tablets aus. Weltweit hatte das Tablet zwei Jahre nach der 20. Sozialerhebung, also 2014, Hochkultur, wie Absatzzahlen von 2010 bis 2018 belegen.

Telefon/Internet


Weitgehend gleichgeblieben sind laut der Erhebung von 2016 nur die Kosten für Internet und Telefonie. Betrugen sie 2012 32€, fielen sie 2016 auf 31€ (-3,2%).

Hier noch einmal alle Kosten im Überblick:

- Miete: 323
- 168€
- Auto/öffentliche Verkehrsmittel: 94€
- Gesundheit: 80€
- Freizeit: 61€
- Lehrmaterialen: 20€
- Telefonie/Internet: 31€

Lebenshaltungskosten für Studenten Überblick
©geralt/pixabay.com

Welche Einnahmen haben Studenten zur Verfügung?


Den Lebenskosten von Studenten stehen natürlich deren Einnahmen gegenüber. Der Durchschnittsstudent ist hierbei(zum Glück) recht gut aufgestellt: Die Gesamtkosten von 829€ sind mit 928€ Einnahmen gedeckt. Doch woher beziehen die Studenten ihre Einnahmen?

BAföG


Man sollte meinen, BAföG sei eine der ersten Adressen für Studenten, die finanzielle Unterstützung zur Bewältigung ihres Alltags suchen. Tatsächlich ist dem aber nicht so – die Zahl der Studierenden, die Ausbildungsförderung nach BAföG beziehen, geht zurück. 2016 betrug sie nur noch 18% der Befragten (24%, 2016).

Unterstützung der Eltern


Hat man keinen Anspruch auf BAföG, liegt das häufig daran, dass die eigenen Eltern zu viel verdienen und gewisse Freibeträge überschritten werden. Dann wäre es gut – und häufig auch notwendig – dass euch eure Eltern finanziell unterstützen. Eine große Hilfe könnte die Übernahme der Mietkosten sein, denn wie wir gesehen haben, ist dies höchstwahrscheinlich euer größter Kostenpunkt. Alternativ könntet ihr eure Eltern bitten, euch zumindest das Kindergeld zu überweisen, das sie für euch bekommen. Dieser Anspruch verfällt in der Regel nicht, wenn ihr ein Studium beginnt.

Nebenjob


Ob ihr euer Geld auf eher verrückte und skurrile Art und Weise verdient oder einen der beliebtesten Nebenjobs wie beispielsweise das Kellnern wählt, bleibt euch überlassen. Doch mit 51,5% geht mehr als die Hälfte der Studenten neben Vorlesungen und Seminaren arbeiten. In den Semesterferien sind es mit 63,3% nochmal ein ganzes Stück mehr.

Das hat diverse Vorteile – nicht nur für euren Geldbeutel. Hat der Job direkten oder indirekten Bezug zu eurem Studienfach, könnt ihr schon einmal wertvolle Erfahrungen sammeln, die euren Wert auf dem Arbeitsmarkt später nur steigern! So sind beispielsweise Lehramtsstudenten 1A Nachhilfelehrer.

Lebenshaltungskosten für Studenten Nebenjob
Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/201632/umfrage/umfrage-zum-parallelen-arbeiten-neben-dem-studium/

Fazit

Entschließt ihr euch dafür, ein Studium zu beginnen, fallen eine ganze Reihe von Kosten an. Vergleicht man die durchschnittlichen Einnahmen mit den Lebenshaltungskosten von Studenten, stellt man fest, dass immer noch ein kleines, aber gesundes Polster am Ende des Monats verbleibt. Das gilt aber beileibe nicht für alle Studierenden, da die Lebenshaltungskosten vielen verschiedenen Variablen unterworfen sind.
Gleiches gilt auch für die Einnahmen. So unterliegt beispielsweise die Einnahmenverteilung zum Teil großen, regionalen Schwankungen. In Sachsen müssen Studenten mit durchschnittlich 798€ auskommen, Kommilitonen in Hamburg stehen rund 1.023€ zur Verfügung.



Bildquelle: Vielen Dank an ptra für das Bild (© ptra/www.pixabay.de)..

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