
Lebenshaltungskosten für Studenten in Deutschland
Laut der 22. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks von 2021, an der knapp 188.000 Studierende teilnahmen, kommen auf Studenten im Bundesdurchschnitt monatliche Lebenshaltungskosten in Höhe von 842€ zu. Mittlerweile betragen die monatlichen Kosten für Studierende schon 900-1.200€, in den vergangenen Jahren ist also ein enormer Anstieg festzustellen. Doch wie teilen sich die Lebenshaltungskosten für Studenten in Deutschland auf?
Miete
Durchschnittlich 500€ geben Studenten monatlich für die Zahlung der Miete aus. 2021 lagen die Ausgaben noch bei 393€. Innerhalb von 5 Jahren stiegen die Kosten für Miete demnach um 27,23 %. Es ist anzunehmen, dass bei der nächsten Erhebung ein noch stärkerer Zuwachs der Mietkosten zu verzeichnen sein wird.
Schon seit einiger Zeit klagen Verbraucherschützer über steigende, in manchen Regionen gar explodierende Mietpreise. 2017 stieg der durchschnittliche Mietpreis in München innerhalb eines halben Jahres um 3,2% auf 16€ pro Quadratmeter. Im selben Zeitraum betrug der Quadratmeterpreis in ganz Deutschland im Mittel „nur“ 6,90€. Regional sind die Mietpreise aber so unterschiedlich, dass sich nationale Vergleiche kaum heranziehen lassen. Wie auch unserer untenstehenden Grafik von Vouchercloud zu entnehmen ist, zahlt man in den Metropolen oft wesentlich mehr als in ländlichen Regionen, in denen noch Leerstand herrscht. Die meisten Hochschulen und Universitäten befinden sich jedoch in den Ballungsgebieten, in denen sich die Wohnungssuche schwierig gestaltet.
Übrigens: In München ist das Problem mit der Entwicklung der Mietpreise sehr speziell, man könnte fast sagen hausgemacht: Im Jahr 2004 wurde per Bürgerentscheid festgelegt, dass kein Gebäude die beiden Türme der Münchener Frauenkirche überragen darf. Diese sind exakt 98,57 Meter hoch. Der Entscheid sollte der Erhaltung des Stadtbildes dienen, dabei wird heutzutage vor allem in Großstädten auf den Höhenausbau gesetzt, um dem Mangel an Bauflächen entgegenzuwirken.

©Alexas_Fotos/pixabay.com
Ernährung
Theoretisch lässt sich an der Ernährung durchaus Geld sparen. Soll es „Der große Bauer“ sein, der seinen Weg von der Kühltheke zu dir in den Kühlschrank findet, oder gibst du dich mit dem Joghurt der Handelsmarke für 89 Cent zufrieden? Dieses Beispiel lässt sich auf die meisten Lebensmittel anwenden. Zudem stellt sich für Studenten immer wieder die Frage: Selbst Kochen oder Mensa?
Die Änderung bei den Kosten für Lebensmittel ist nicht ganz so hoch wie bei der Miete, jedoch am Ende des Monats bei vielen sicher bemerkbar. Von 194€ im Jahr 2021 stiegen die Ausgaben für Nahrung auf 200-300€ an.
Auto/öffentliche Verkehrsmittel
Mit den Anschaffungskosten ist es bei einem Auto noch lange nicht getan. Kosten für Versicherung, Instandhaltung und Benzin machen den fahrbaren Untersatz zu einer kostspieligen Angelegenheit. Letzterer hat sich vor allem in vergangenen Jahren deutlich erhöht. Der hohe Spritpreis lässt auch die Kosten für öffentliche Verkehrsmittel steigen – idealerweise ist euer Fahrausweis aber im Semesterbeitrag integriert und von diesen Erhöhungen weitgehend unberührt.
Die Änderungen der Kosten für Mobilität von Studenten sind beträchtlich und überraschend. Betrugen sie 2021 noch durchschnittlich 74€ im Monat, können Studierende mittlerweile mit dem Deutschlandticket für 63€ im Monat die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. An vielen Unis ist das Ticket schon im Semesterbeitrag inkludiert. Insgesamt müssen Studierende im Monat zwischen 38-90€ für Mobilität ausgeben.
Krankenversicherung/Arztkosten/Medikamente
Die eigene Gesundheit spielt für Studenten eine große Rolle – zumindest kann dieser Eindruck entstehen, wenn man die Kosten von Krankenversicherung, Arztbesuchen und für Medikamente vergleicht. Von 97€ (2021) auf 145-155€ (2026) stiegen die Ausgaben im Bereich Gesundheit, bei dem vor allem die Beiträge für die Krankenversicherung kräftig zu Buche schlagen. Dies entspricht einem saftigen Anstieg von ca. 54,64 %.
Kleidung
Bei den Kosten für Kleidung gibt es keine Unterschiede zum Jahr 2021. Hier gaben die Befragten der Zielgruppe Fokus-Typ an, dass sie im Jahr 2021 40€ im Monat für Kleidung ausgeben würden. Diese Budget haben Studierende auch 2026 noch - sie geben ca. 33-70€ monatlich für Kleidung aus.
Freizeit, Kultur und Sport
Die Ausgaben in Sachen Freizeit hängen sehr stark vom Lebensstil ab. Geht ihr mindestens einmal die Woche ins Kino und auf Partys oder ist das für euch eher die Ausnahme als die Regel? Die eignen Gewohnheiten spiegeln sich direkt im Monatsbudget wider.
Studierende zahlen monatlich zwischen 53-99€ für Freizeitaktivitäten, ähnlich wie in den Jahren zuvor.
Interessanterweise ist diese Beständigkeit nicht immer auf ein gleichbleibendes Budget oder Freizeitbedürfnis zurückzuführen. Eine Befragung der Zeppelin University in Friedrichshafen ergab beispielsweise, dass Veranstalter und Studenten beim Thema Kulturangebot innerhalb der Region schlichtweg aneinander vorbeiredeten. Die Betreiber setzten bei ihren Events vorwiegend auf Plakatwerbung, Studierende hingegen informierten sich aber in erster Linie über soziale Netzwerke.
Lernmittel
In absoluten Zahlen verhielt es sich bei Lernmitteln genau wie mit den Lebensmitteln – Studenten geben 2026 im Schnitt etwas mehr aus, als noch 2021. Statt 28€ (2021) liegen die Kosten für Lernmittel bei 20-50€.
Im Hinblick auf den Fortschritt der Technik ist dieser Kostenzuwachs etwas überraschend. Immer mehr Studenten tauschen den Schreibblock für die Mitschrift in der Vorlesung gegen das Touchdisplay eines Tablets aus. Weltweit hatte das Tablet zwei Jahre nach der 20. Sozialerhebung, also 2014, Hochkultur, wie Absatzzahlen von 2010 bis 2023 belegen. Möglicherweise ist das Bedürfnis nach analogen Lernmitteln gerade nach dem Online-Unterricht der Corona Pandemie wieder gestiegen.
Telefon/Internet
Ebenfalls weitgehend gleichgeblieben sind laut der Erhebung von 2021 die Kosten für Internet und Telefonie. 2021 betrugen sie 29€, mittlerweile zahlen Studierende 25-50€.
Hier noch einmal alle Kosten im Überblick:

Welche Einnahmen haben Studenten zur Verfügung?
Den Lebenskosten von Studenten stehen natürlich deren Einnahmen gegenüber. Der Durchschnittsstudent ist hierbei leider nicht sehr gut aufgestellt: Die Gesamtkosten von durchschnittlich 1.129€ sind mit 930-1.120€ Einnahmen nicht gedeckt. Doch woher können Studenten ihre Einnahmen beziehen?

BAföG
Man sollte meinen, BAföG sei eine der ersten Adressen für Studenten, die finanzielle Unterstützung zur Bewältigung ihres Alltags suchen. Tatsächlich ist dem aber nicht so – die Zahl der Studierenden, die Ausbildungsförderung nach BAföG beziehen, geht zurück. 2026 betrug sie nur noch 11,5%.
Unterstützung der Eltern
Hat man keinen Anspruch auf BAföG, liegt das häufig daran, dass die eigenen Eltern zu viel verdienen und gewisse Freibeträge überschritten werden. Dann wäre es gut – und häufig auch notwendig – dass euch eure Eltern finanziell unterstützen. Eine große Hilfe könnte die Übernahme der Mietkosten sein, denn wie wir gesehen haben, ist dies höchstwahrscheinlich euer größter Kostenpunkt. Alternativ könntet ihr eure Eltern bitten, euch zumindest das Kindergeld zu überweisen, das sie für euch bekommen. Dieser Anspruch verfällt in der Regel nicht, wenn ihr ein Studium beginnt.
Nebenjob
Ob ihr euer Geld auf eher verrückte und skurrile Art und Weise verdient oder einen der beliebtesten Nebenjobs wie beispielsweise das Kellnern wählt, bleibt euch überlassen. Doch mit 63-70% geht deutlich mehr als die Hälfte der Studenten neben Vorlesungen und Seminaren arbeiten.
Das hat diverse Vorteile – nicht nur für euren Geldbeutel. Hat der Job direkten oder indirekten Bezug zu eurem Studienfach, könnt ihr schon einmal wertvolle Erfahrungen sammeln, die euren Wert auf dem Arbeitsmarkt später nur steigern! So sind beispielsweise Lehramtsstudenten 1A Nachhilfelehrer.

Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/201632/umfrage/umfrage-zum-parallelen-arbeiten-neben-dem-studium/
Tipp: Das Geld ist am Ende des Monats oft knapp? Wir haben schon Dinge für dich rausgesucht, die gratis für Studierende sind!
Fazit
Entschließt ihr euch dafür, ein Studium zu beginnen, fallen eine ganze Reihe von Kosten an. Vergleicht man die durchschnittlichen Einnahmen mit den Lebenshaltungskosten von Studenten, stellt man fest, dass immer noch ein kleines, aber gesundes Polster am Ende des Monats verbleibt. Das gilt aber beileibe nicht für alle Studierenden, da die Lebenshaltungskosten vielen verschiedenen Variablen unterworfen sind.
Gleiches gilt auch für die Einnahmen. So unterliegt beispielsweise die Einnahmenverteilung zum Teil großen, regionalen Schwankungen. In Sachsen müssen Studenten mit durchschnittlich 1.014€ auskommen, Kommilitonen in Hamburg stehen rund 1.200€ zur Verfügung.
Bildquelle: Vielen Dank an ptra und canva.de für das Bild (© ptra/www.pixabay.de)..
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