Studieren mit Behinderung

Studieren mit Behinderung Starre Prüfungsordnungen und Barrieren in der Hochschule erschweren den Unialltag für Studenten mit Behinderung. Wir informieren dich rund um das Thema „Studieren mit Behinderung“ und erklären, welche Anträge du stellen kannst, um die Nachteile beim Studium mit Behinderung auszugleichen.

Studienplatzvergabe: Bei Hochschulstart.de kannst du Sonderanträge stellen

Über das Bewerbungsportal Hochschulstart.de (ehemals ZVS) kannst du dich für bundesweit zulassungsbeschränkte Studiengänge (wie Medizin und Pharmazie) und für einige Studiengänge, die örtlich zulassungsbeschränkt sind, bewerben. Für die Vergabe der Studienplätze sind in erster Linie deine Abiturnote und die Wartesemester, die du auf dem Buckel hast, entscheidend. Bewerber mit Behinderung können allerdings verschiedene Sonderanträge stellen.

Der Härtefallantrag (Sonderantrag D)

Hochschulstart.de sichert bis zu 2% der Studienplätze für die Fälle außergewöhnlicher Härte. Wird dein Härtefallantrag bewilligt, wirst du ohne Beachtung der übrigen Auswahlkriterien (Abiturnote etc.) zum Studium zugelassen.

Allerdings rechtfertigt nicht jede Behinderung gleich einen Härtefall. So reicht eine Schwerbehinderung allein in der Regel nicht aus, um eine sofortige Zulassung mithilfe der Anerkennung als Härtefall zu erlangen. Hast du aber zum Beispiel eine körperliche Behinderung, die jeder anderen zumutbaren Tätigkeit bis zur Zuweisung eines Studienplatzes im Wege steht, wird dein Härtefallantrag in der Regel bewilligt.

Der Antrag auf Nachteilsausgleich (Verbesserung der Durchschnittsnote: Sonderantrag E)

Der Antrag auf Nachteilsausgleich zur Verbesserung der Durchschnittsnote kann gestellt werden, wenn persönliche Gründe vorliegen, die sich nachteilig auf deinen Abidurchschnitt ausgewirkt haben. Darunter fällt grundsätzlich auch eine Behinderung.

Allerdings muss nachgewiesen werden, dass sich die Umstände tatsächlich negativ auf die Durchschnittsnote ausgewirkt haben. Zum Nachweis der Leistungsverschlechterung müssen deswegen beglaubigte Schulzeugnis Kopien und ein detailliertes Gutachten der Schule dem Antrag beigelegt werden.

Der Antrag auf Nachteilsausgleich (Wartezeit: Sonderantrag F)

Wenn du das Abi aufgrund deiner Behinderung später machst als du es ohne Behinderung hättest machen können, kommt für dich ein Antrag auf Nachteilsausgleich für die Wartezeit in Frage.

Wenn du insgesamt 6 Wartesemester hast, aber nachweisen kannst, dass du ein Schuljahr behinderungsbedingt wiederholen musstest, werden dir zwei Wartesemester zusätzlich bewilligt. Du hast dann 8 Wartesemester in der Tasche und damit bessere Chancen auf einen Studienplatz.

Der Ortsantrag A (Antrag auf bevorzugte Berücksichtigung des ersten Studienortwunsches)

In dem Ortsantrag kannst du Umstände geltend machen, die dich an einen bestimmten Studienort binden. Das können auch gesundheitliche Gründe sein, sofern noch keine Schwerbehinderung vorliegt.

Die zwingende Bindung an den jeweiligen Ort muss mit einem fachärztlichen Gutachten begründet werden, aus dem sich ergibt, dass die notwendige ärztliche Behandlung nur am gewünschten Studienort möglich ist. Der Ortsantrag wird nur noch im Rahmen der Wartezeitquote und der Abiturbesten-Quote berücksichtigt. Er spielt keine Rolle im Auswahlverfahren der Hochschulen.

Die Sonderanträge müssen zusammen mit dem Antrag auf Vergabe eines Studienplatzes bis zum Ablauf der Bewerbungsfrist eingereicht werden. Jedem Antrag sind die entsprechenden Belege (im Original oder beglaubigter Kopie) beizufügen. Bescheinigungen von Stellen, die zur Führung eines Dienstsiegels amtlich ermächtigt sind, müssen mit einem Dienstsiegelabdruck versehen sein.

Beispiele, in welchen Fällen ein Sonderantrag in der Regel genehmigt wird, findest du hier.

Finanzierung von einem Studium mit Behinderung

Wer unter einer chronischen Erkrankung leidet oder eine Behinderung hat, benötigt für sein Studium in der Regel mehr Zeit. Dieser größere Zeitaufwand ist mit höheren finanziellen Belastungen verbunden. Wir haben dir zusammen gestellt, welche Sonderregelungen es im BAföG Gesetz für Studierende mit Behinderung gibt und welche Extra Finanzierungsmöglichkeiten dir zur Verfügung stehen.

BAföG: Sonderregelungen beim Studieren mit Behinderung

Keine Berücksichtigung der Behinderung beim Bedarf
Eine Behinderung wird beim BAföG-Bedarf leider nicht berücksichtigt. Der Bedarf von Studenten mit Behinderung wird also genauso hoch veranschlagt wie von allen anderen Studenten. Es können deshalb keine zusätzlichen Gelder für teurere Lehrmittel bewilligt werden, die in der Regel aber bei einem Studium mit Behinderung nötig sind.

Unter Umständen kannst du jedoch andere staatliche Leistungen in Anspruch nehmen, die dir von deinem BAföG nicht abgezogen werden. Dazu gehört unter anderem die Eingliederungshilfe nach §54 SGB XII. Im Rahmen dieser Eingliederungshilfe kann der studienbedingte Mehrbedarf geltend gemacht werden. Die Hilfe umfasst jeglichen Assistenzbedarf, der sich aus deinem Besuch der Hochschule ergibt. Sei es eine Vorlesekraft, Blindenliteratur oder ein spezieller PC. Unabhängig vom BAföG wird auch die ergänzende Hilfe zum Lebensunterhalt oder für kostenaufwändige Ernährung nach §30 Abs.4 und 5 SGB XII gewährt.

Berücksichtigung einer Behinderung beim Einkommen
Bei der Ermittlung des Einkommens deiner Eltern kann die Behinderung allerdings berücksichtigt werden. Nach §25 Abs.6 BAföG kann ein Härtefreibetrag insbesondere dann gewährt werden, sofern die Eltern oder der Ehegatte zur Unterhaltsleistung an eine behinderte Person verpflichtet sind.

Berücksichtigung einer Behinderung beim Vermögen
Auch bei der Vermögensanrechnung kann in Ausnahmefällen ein Antrag auf Härtefreibetrag bewilligt werden. Nach §29 Abs.3 BAföG ist der Härtefreibetrag unter anderem gerechtfertigt, soweit das Vermögen zur Milderung der Folgen einer körperlichen oder seelischen Behinderung bestimmt ist.

Berücksichtigung einer Behinderung bei der Förderungsdauer
Eine Behinderung wird bei der Förderungsdauer in zweierlei Hinsicht berücksichtigt. Der eine Fall betrifft die Vorlage des Leistungsnachweises. Normalerweise musst du als Student zu Beginn des 5.Semesters nachweisen, dass du die üblichen Studienleistungen bis dahin erbracht hast.

Wenn du eine Behinderung hast, ist dir unter bestimmten Umständen nach §48 Abs.2 i.V.m. §15 Abs.3 Nr.5 BAföG eine spätere Vorlage des Leistungsnachweises erlaubt. Zusätzlich kann nach §15 Abs.3 Nr.5 BAföG eine Förderung über die Förderungshöchstdauer hinaus gewährt werden, wenn die Regelstudienzeit „infolge einer Behinderung“ überschritten wird. Besonders interessant: Bei dieser Überschreitung wird die Förderung sogar als voller Zuschuss und nicht wie üblich als Zuschuss Darlehen gewährt.

Berücksichtigung einer Behinderung beim Überschreiten der Altersgrenze
Normalerweise wird BAföG nur gewährt, wenn das Grundstudium vor Vollendung des 30.Lebensjahres (bei Masterstudiengängen vor Vollendung des 35. Lebensjahres) begonnen wird. Wer sein Studium später anfängt, ist von der Förderung ausgeschlossen. Eine Behinderung kann jedoch nach § 10 Abs. 3 S. 2 Nr. 3 BAföG ein Grund dafür sein, dass du trotz Überschreiten der Altersgrenze gefördert wirst. Allerdings muss die Behinderung ursächlich für die späte Aufnahme des Studiums sein.

Berücksichtigung einer Behinderung beim Fachrichtungswechsel
Tritt die Behinderung erst im Laufe der Ausbildung ein (etwa nach einem Unfall), so stellt sie gegebenenfalls einen „unabweisbaren Grund“ nach § 7 Abs. 3 S. 1 Nr. 2 BAföG für einen Fachrichtungswechsel dar. Dieser „unabweisbare Grund“ kann in jedem Semester geltend gemacht werden. Das ist ein wichtiger Unterschied zum sogenannten „wichtigen Grund“, der nur innerhalb der ersten 3 Semester hervor gebracht werden kann.

Unabhängig von der Behinderung kannst du unter bestimmten Voraussetzungen nach Ablauf der Förderungshöchstdauer Hilfe zum Studienabschluss beantragen und so dein Studium ohne finanzielle Schwierigkeiten erfolgreich beenden. Die Studienabschlusshilfe nach §15 Abs.3a BAföG wird allerdings als normales Darlehen gewährt.

Stipendien für Studenten mit Behinderung

Eine enorme finanzielle Erleichterung des Studiums ist ein Stipendium. Neben den üblichen Stipendien gibt es eine Reihe von Stiftungen und Organisationen, die speziell Stipendien an Menschen mit Behinderung vergeben.

Die Anni und Keyvan Dahesch Stiftung unterstützt zum Beispiel Menschen mit schwerer Behinderung, von der Dr. Willy Rebelein Stiftung gibt es bis zu 300€ monatliche Förderung für Behinderte und Menschen mit chronischer Erkrankung und der Google Europe Scholarship for Students with Disabilities vergibt Stipendien in Höhe von 7.000€ pro Studienjahr.

Manche Stiftungen vergeben zudem speziell auf die Behinderung oder chronische Erkrankung abgestimmte Stipendien. So gibt es für Studenten mit chronischer Darmerkrankung finanzielle Unterstützung von der Stiftung Darmerkrankung, die Paul und Charlotte Kniese Stiftung sowie die Karl und Charlotte Spohn Stiftung fördern hingegen ausschließlich blinde und sehbehinderte Studenten.

Die Heinz und Mia Krone Stiftung unterstützt körperbehinderte Menschen, die früher gehen konnten und inzwischen durch einen Unfall oder eine Krankheit dauerhaft auf den Rollstuhl angewiesen sind. Natürlich ist das nur eine Auswahl an Stipendien für Studenten mit Behinderung.

Nachteilsausgleiche beim Studieren mit Behinderung

Nachteilsausgleiche kompensieren die Benachteiligungen, die du als Student mit Behinderung im Studium erfährst. Studien- und Prüfungsordnungen sind meist starr festgelegt und grundsätzlich nicht behindertengerecht.

Anwesenheitspflicht, schriftliche Prüfung, Auslandsaufenthalte – all dies sind Vorgaben, die nicht jeder ohne Weiteres erfüllen kann. Also müssen die Studien- und Prüfungsbedingungen manchmal individuell auf die Bedürfnisse und Fähigkeiten des behinderten Studenten angepasst werden. Hierzu sind individuelle Nachteilsausgleiche erforderlich.

Die Maßnahmen zum Nachteilsausgleich sind von Student zu Student verschieden. Ein solcher Ausgleich kann zum Beispiel eine Verlängerung der Abschlussfristen sein oder eine Modifikation von Anwesenheitspflichten. In Bezug auf Prüfungen können weiterhin Nachteile ausgeglichen werden, indem etwa Assistenzen zur Prüfung zugelassen werden oder die Schreibzeit verlängert wird.

Möglich ist auch, eine schriftliche Prüfung in eine mündliche umzuwandeln und umgekehrt. Der Antrag auf Nachteilsausgleich ist frühzeitig beim zuständigen Prüfungsausschuss bzw. Prüfungsamt zu stellen. In der Regel muss mindestens ein ärztliches Attest vorgelegt werden, gegebenenfalls auch weitere Dokumente, zum Beispiel Behandlungsberichte von Krankenhausaufenthalten.

Alles rund um den Antrag auf Nachteilsausgleich findest du hier.

Beratungsmöglichkeiten für Studenten mit Behinderung

Das Deutsche Studentenwerk hat ein Handbuch zum Thema „Studium und Behinderung“ herausgegeben. Es informiert umfassend über alle wichtigen Aspekte zum Thema Studieren mit Behinderung und kann entweder von der Homepage als PDF herunter geladen werden oder versandkostenfrei bestellt werden.

Daneben gibt es in nahezu allen Hochschulen und Studentenwerken Berater für Studenten mit Behinderung und chronischen Erkrankungen. Sie beraten dich persönlich zu allen relevanten Themen rund ums Studium mit Behinderung (finanzielle Fragen, Nachteilsausgleiche usw.).

Bildquelle: Vielen Dank an falco für das Bild (© falco/www.pixabay.de).

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