Berufseinstieg nach dem Studium: Keine Lust mehr auf Karriere?

Berufseinstieg nach dem Studium: Keine Lust mehr auf Karriere? Ein Studium wird zwar nicht vergütet, gilt aber heute immer noch als langfristiger Karriere-Booster. Das liegt unter anderem daran, dass unsere Gesellschaft komplexer geworden ist und spezifischeres Wissen auf dem Arbeitsmarkt benötigt wird.

In gleicher Weise ist ein Studium aber noch viel mehr als das. Studieren bedeutet experimentieren, soziale Kontakte knüpfen sowie seine eigene Persönlichkeit finden. Ein Studium ist keine klassische akademische Ausbildung mehr, gleichwohl strebt nicht jeder zwangsläufig einen Berufseinstieg an, um später verantwortungsvolle, hoch bezahlte Absolventen Jobs anzunehmen. Diese Entwicklungen wurden nun von einer groß angelegten Umfrage des Unternehmensberaters EY bestätigt.

Umfrage bestätigt: Familie und Freunde vor der Karriere


Unter rund 2.000 Studenten aus 27 Universitätsstädten in Deutschland gaben 41 Prozent an, dass Sie einen beruflichen Aufstieg als sehr bedeutend ansehen. Im Vergleich zu der letzten Befragung vor zwei Jahren nahm der Wert um 16 Prozent ab. Zeit für Familie, Freunde als auch Freizeitaktivitäten und Sport wurden insgesamt höher bewertet. Ein klares Zeichen für ein Umdenken bei Studenten.

Laut den Beratern hängt der Rückgang vor allem mit der guten wirtschaftlichen Lage zusammen. Fast alle Befragten sind sich darüber einig, dass sie im Anschluss ihres Studiums schnell einen Job finden werden. Eine gute Bezahlung spielt deshalb eine untergeordnete Rolle. Aufgrund des allgemeinen Sicherheitsgefühls rücken persönliche Interessen zunehmend in den Vordergrund, so Oliver Simon, der Leiter der Personalabteilung von EY.

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©Helena Lopes/pexels.com

Persönliche Interessen über Karrierezielen


Trotz der starken Förderung von Frauen in Führungspositionen flaute der Aufstiegswille von Frauen offenbar ab. Unter weiblichen Studenten verloren im Vergleich zu der letzten Umfrage vor zwei Jahren 14 Prozent das Interesse an einem karriereorientierten Berufseinstieg. Deutlicher überdachten die männlichen Studenten ihre Lebensziele. Satte 17 Prozent gaben an, dass die Karriere ihnen weniger wichtig ist als Familie, Freunde und Freizeitaktivitäten.

Eine ähnliche Entwicklung vermerkte sich bei der Wahl der Studienfächer. Für 63 Prozent der Studierenden standen persönliche Interessen über der Aussicht auf hoch bezahlte Absolventen Jobs.

Im Gegensatz zu einer klassischen Rollenverteilung empfinden Männer heute mehr Empathie für Familienangelegenheiten. Das liegt wohl daran, dass der Ruf der Arbeitswelt nicht der Beste ist. Etwa jeder Dritte hält dabei klassische Arbeitsverträge mit 35 bis 40 Stunden pro Woche für realistisch. Der Großteil rechnet aber doch mit einem deutlich höherem Arbeitspensum.

Soziales Engagement?


Aktuelle politische Debatten richten sich wieder vermehrt auf die Einführung eines Bundesfreiwilligendienstes. Nach Wirtschaftsminister Peter Altmaier ist unter jungen Leuten der Wunsch gestiegen sozial tätig zu werden und somit steigt auch die Nachfrage nach einem freiwilligen sozialen Jahr.

Die Umfrage des Unternehmensberaters EY konnte das nicht bestätigen. Nur 27 Prozent der Studierenden gaben an, dass sie gesellschaftliches Engagement als sehr bedeutsam ansehen. Der Vorstoß von Peter Altmaier muss also noch weiter geprüft werden.

Berufseinstieg der Generation Y


Die Ergebnisse der Umfrage spiegeln die Merkmale der neuen Arbeitergenerationen wieder. Die Generationen Y und Z steigen nun vermehrt in das Berufsleben ein und verfolgen eigene Wertvorstellungen.

Kinder der Generation Y, geboren zwischen 1980 und 1995 (manchmal auch 1980 bis 2000) werden auch als „Digital Natives“ bezeichnet. Denn gerade durch die Pionierarbeit im Bereich moderner Technologien transportieren Berufseinsteiger der Generation Y andere Interessen. Sie sind besonders interessiert an höherer Bildung. Im Job erwartet man flache Hierarchie und steht für Teamarbeit ein. Darüber hinaus wünscht man sich zunehmend flexible Arbeitszeiten. Die gewonnene Selbstbestimmung nimmt man gerne in Kauf, wodurch Beruf und Freizeit häufig verschmelzen.

Unternehmen haben sich deswegen schon auf die neuen Berufseinsteiger eingestellt. Häufig wird in Stellenausschreibungen zum Beispiel von Work-Life-Balance oder Flexibilität gesprochen. Aus dieser Perspektive war der Ausgang der Umfrage vorherzusehen. Viel interessanter werden die Anpassungen der Folgegeneration ausfallen, die sich von der Generation Y teilweise komplett unterscheiden.

Zukunftsblick auf die Generation Z


Die Generation Z umfasst alle Menschen, die zwischen 1995 und 2010 geboren wurden (manchmal auch 2000 und 2015). Gegenüber den Digital Natives verstehen Menschen der Generation Z den Umgang mit modernen Technologien als Selbstverständlichkeit. Zudem ist ihnen Selbstdarstellung um einiges wichtiger. Aus diesem Grund wird angenommen, dass für die Berufseinsteiger dieser Generation, eine Karriere als auch Führungsposition wichtiger sein wird. Des Weiteren stehen klare Strukturen, geregelte Arbeitszeiten und unbefristete Arbeitsverträge im Vordergrund.

Schlussendlich müssen folgende Umfragen zeigen, ob sich die Annahmen der Generation Z bestätigen. Zum jetzigen Zeitpunkt schätzt der heutige Student die Möglichkeiten, die eigenen Interessen auszuleben und umsichtiger zu handeln.

Bildquelle: Vielen Dank an Pixabay für das Titelbild (© Pixabay / pexels.com)

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Kommentare

Userbild von martingaibel
28. August 2018 · 12:50 Uhr
martingaibel
Meine Meinung ist so: der Abschluss von der Uni ist tatsächlich nicht mehr ein Garant für einen sicheren Job und ein gutes Einkommen. :-(
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