Was ist eigentlich ein Plagiat?

Was ist eigentlich ein Plagiat? Karl-Theodor zu Guttenberg, Silvana Koch-Mehrin, Annette Schavan, selbst Vladimir Putin soll gerüchteweise weite Teile seiner Dissertation abgeschrieben haben. Im Jahr 2011 schaffte es sogar „guttenbergen“ in die Top Ten der Wahl zum Wort des Jahres. Plagiate werden gerade im wissenschaftlichen Bereich immer öffentlichkeitswirksamer diskutiert, deshalb wollen wir hier ein wenig Licht ins Dunkel bringen.

In den Ordnungen der meisten Hochschulen findet man Paragraphen zu Plagiaten und wissenschaftlichem Fehlverhalten. Diese können sich im Detail durchaus unterscheiden und eine allgemeingültige Zusammenfassung ist daher schwierig. Allerdings wird man im Kern überall das Gleiche finden, daher stützen wir uns hier beispielhaft auf die Satzung zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis der Universität Leipzig.

Was ist ein Plagiat?


Ein Plagiat ist erst einmal eine Verletzung des Urheberrechts und stellt im wissenschaftlichen Kontext eine „unbefugte Verwertung unter Anmaßung der Autorenschaft“ dar (beispielhaft aus Absatz II, §4 der Satzung Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis der Universität Leipzig).

Das heißt im Klartext: Abschreiben, imitieren oder kopieren fremder Ideen oder Texte ohne die explizite Kennzeichnung, dass das vorliegende Material von jemand anderem verfasst wurde. Das ist der Unterschied zum Zitat, das sofort als „Fremdmaterial“ erkennbar ist und sein muss. Deswegen haben die Dozenten und Professoren eben doch recht, wenn sie auf korrekter Zitierweise bestehen. Denn ein Plagiat ist nicht immer vorsätzlich, es kann auch „grob fahrlässig“ verwendet werden.

Welche Konsequenzen kann ein Plagiat für Studenten nach sich ziehen?


Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten, je nach Schwere des Vergehens. Ein Bachelorstudent, der in seiner Hausarbeit ein paar Zitate nicht als solche kennzeichnet, wird nicht strafrechtlich belangt. Was natürlich nicht heißen soll, dass das legitim sei oder dass keine empfindlichen Konsequenzen drohen, wenn der Dozent das Plagiat bemerkt. Grundsätzlich sind vier Arten von Konsequenzen möglich:

Arbeits- und dienstrechtliche Konsequenzen eines Plagiats


Es kann hier entweder zur Abmahnung, zur ordentlichen Kündigung oder zur außerordentlichen Kündigung. Für einen Studenten würde das eine Exmatrikulation bedeuten.

Zivilrechtliche Konsequenzen eines Plagiats


Man unterscheidet fünf Arten von zivilrechtlichen Konsequenzen:

1. Hausverbot in der jeweiligen Einrichtung

2. Herausgabeansprüche gegen den oder die Betroffenen (bspw. Rückgabe von Material)

3. Beseitigungs- und Unterlassungsansprüche aus Urheberrecht, Persönlichkeitsrecht, Patentrecht, Wettbewerbsrecht.

4. Rückforderungsansprüche (z.B. von Stipendien)

5. Schadensersatzansprüche der Hochschule oder von betroffenen Dritten

Akademische Konsequenzen eines Plagiats


Hier gibt es drei Möglichkeiten:

1. Entzug akademischer Grade oder Titel

2. Das Informieren außeruniversitärer Einrichtungen, wenn der Beruf oder die Stellung auf dem akademischen Grad oder Titel beruht

3. Der betroffene Autor ist zum Widerruf der Arbeit oder der Passage verpflichtet bzw. ist die Veröffentlichung bei einer noch nicht veröffentlichten Arbeit zu verhindern.

Strafrechtliche Konsequenzen eines Plagiats


Außerdem sind auch strafrechtliche Konsequenzen möglich, allerdings nur in sehr schweren Fällen. Die Hochschule kann zudem entscheiden, die Öffentlichkeit zu informieren, wenn ihre Glaubwürdigkeit gefährdet ist oder ein generelles öffentliches Interesse am Plagiat oder dem Autor besteht. Der Imageschaden für einen Prominenten oder Politiker ist dabei vorprogrammiert, wie die Vergangenheit gezeigt hat.

Solche Konsequenzen sind natürlich hauptsächlich zu fürchten, wenn es um Dissertationen, um möglicherweise prominente Plagiatoren und wirklich die ganz großen wichtigen Arbeiten geht.

Aber was kann dem „normalen“ Studenten blühen, wenn er zum Beispiel beim Plagiat in der Hausarbeit erwischt wird? Da gibt es erst einmal keinen festgeschriebenen Strafenkatalog, letztlich ist das vom Dozenten oder Professor abhängig, von der Hochschule und natürlich auch vom Ausmaß des Abschreibens.

Die naheliegendsten Möglichkeiten: Die Arbeit wird ganz einfach als Fehlleistung oder nicht erbrachte Leistung gewertet. Setzen – sechs. Oder der Plagiator darf die Arbeit noch einmal schreiben, dieses Mal möglichst mit korrekter Verwendung von Zitaten und Fremdmaterial.

Einige Unis drohen mit der Aberkennung weiterer Prüfungsleistungen, Nichtzulassung zu Abschlussprüfungen oder gar drastischen Geldbußen. Wer dem entgehen möchte, sollte tunlichst richtig zitieren, um Fahrlässigkeit zu vermeiden. Immer mehr Hochschulen arbeiten mittlerweile auch mit spezieller Software, die Plagiate erkennen kann. Legt es also besser nicht drauf an, denn die Folgen werden die Zeitersparnis nicht wert sein.

Ich habe ein Plagiat entdeckt. Was kann ich tun?


An den meisten Hochschulen gibt es dafür eine Ombuds- oder Vertrauensperson und eine (ständige) Kommission.

Die Ombudsperson berät Angehörige der Universität, die wissenschaftliches Fehlverhalten (im Zweifel auch das eigene!) mitteilen. Die Vorwürfe werden dann geprüft und möglicherweise wird ein Prüfungsverfahren eingeleitet. Der oder die Betroffene bekommt dann noch einmal die Möglichkeit zur Stellungnahme und nach einer Prüfung durch die ständige Kommission wird gegebenenfalls ein Untersuchungsverfahren eingeleitet.

Bitte beachtet: Dieser Prozess ist stark vereinfacht und kann von Hochschule zu Hochschule variieren. Seht es eher als Modellablauf, der aber an den meisten Hochschulen ganz ähnlich ablaufen dürfte.

Fazit: Ein Plagiat ist kein Kavaliersdelikt und kann schwere Konsequenzen nach sich ziehen. Ein Imageschaden wie bei einigen Politikern muss dabei nicht einmal das Schlimmste sein. Darum: Zitiert richtig und verkauft fremde Arbeit nicht als eure eigene. Das ist nämlich nicht nur moralisch verwerflich!

Bildquelle: Vielen Dank an condesign für das Bild (© condesign/www.pixabay.com).

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