Wissenschaftlich Lesen: So geht's

Wissenschaftlich Lesen: So geht's Die Umstellung von der Schule auf die Uni ist anfangs nicht ganz einfach. Das liegt auch und vor allem an den wissenschaftlichen, die man von Beginn an zuhauf nicht nur lesen, sondern auch verstehen soll. Texte aus Schulbüchern sind dafür geschrieben, Wissen verständlich zu vermitteln. Wissenschaftliche Texte sind hingegen viel komplexer. Darum ist es auch nicht so einfach, sie richtig zu lesen, also so, dass am Ende auch etwas hängen bleibt. Wissenschaftlich Lesen ist eine Kunst, aber keine Wissenschaft. Man braucht nur die richtigen Techniken des wissenschaftlichen Lesens. Letztlich ähnlich wie beim Vokabeln lernen.

Lesen, verstehen, einprägen
Wissenschaftlich Lesen heißt nicht nur lesen, sondern aktiv lesen. Aber was bedeutet das? Einen wissenschaftlichen Text lest ihr (vor allem zu Beginn) nicht aus Vergnügen wie einen Roman, sondern aus Notwendigkeit. Ihr sollt damit ein Thema nicht nur kennenlernen, sondern es auch verstehen und kritisch hinterfragen. Das funktioniert nicht, wenn man die Seiten einfach nur überfliegt und dann wieder zur Seite legt, sondern nur, wenn man mit dem Text auch arbeitet.

Grob unterscheidet man fünf Phasen bei der Lektüre eines wissenschaftlichen Textes:

1. Lesen und nachvollziehen
2. Verstehen
3. Einprägen
4. Wiedergeben
5. Kritisch hinterfragen


Schon hier wird deutlich, dass einmaliges Lesen nicht ausreicht, um tatsächlich etwas aus dem Gelesenen zu ziehen. Darum redet man auch gern vom „Lesen mit Bleistift“. Zunächst einmal solltet ihr einen neuen Text in einem euch noch unbekannten Gebiet tatsächlich einfach nur lesen. Ohne Markierungen und ohne Notizen. Denn beim Exzerpieren geht es darum, dass ihr tatsächlich das Wichtige aus dem Text herausholt. Zu Beginn ist man erst einmal geneigt, alles gelb anzumalen, weil man vorher noch gar nicht weiß, was man wirklich braucht. Darum erst einmal nur Lesen.

Die eigentliche Arbeit am Text beginnt beim zweiten Durchgang. Ihr habt nun einen Überblick, was die Quintessenz des Textes ist und könnt entsprechend Kernaussagen markieren und euch Notizen machen. Selbst jetzt wird es sehr bunt auf und neben dem Text werden. Darum bietet es sich an, nach einer Weile ein Symbolsystem zu entwickeln. Wir geben euch einige Beispiele, die ihr übernehmen könnt. Am Ende muss aber jeder für sich entscheiden, wie er am Effektivsten arbeitet.

Wichtig - !
Unverständlich - ?
Ergebnis - =
Definition - Def
daraus folgt - =>


Wiedergeben und kritisch hinterfragen
Ist euer Text bearbeitet, dann könnt ihr ein Exzerpt anfertigen, also eine eigene Zusammenfassung, die nicht genau so lang ist wie die Vorlage, sondern die für euch wichtigsten Inhalte zusammen fasst. Und schon dabei geht es im Studium auch darum, das Gelesene zu hinterfragen. In der Philosophie oder in der Soziologie gibt es in den meisten Fällen kein Richtig oder Falsch, sondern fundierte Meinungen, ein Für und ein Wider. Nur weil ein Text von Niklas Luhmann oder von Jürgen Habermas verfasst wurde, heißt das nicht, dass deren Aussagen kritikfrei anzunehmen sind. Ihr sollt sie sogar hinterfragen, darum geht es ja im Studium. Dazu müsst ihr sie aber verstehen. Und dazu müsst ihr den Text wissenschaftlich lesen.

Speedreading und Fragetechnik
Es gibt noch weitere Techniken des wissenschaftlichen Lesens, die aber nicht so einfach zu handhaben sind. Sehr beliebt ist in letzter Zeit das Speedreading oder Skimming, dass auch für Belletristik empfohlen wird. Sehr vereinfacht gesagt, konzentriert man sich dabei nur auf bestimmte Abschnitte oder Signalwörter des Textes und liest so nicht den gesamten Text, sondern überfliegt ihn im wahrsten Sinne. So lässt sich ein Buch in der Hälfte der Zeit lesen. Das birgt allerdings beim Lesen in der Freizeit das Problem, dass man eben nicht alles mitbekommt und dass man das „Literarische“, das Schöne am Lesen, verpasst. Zum anderen ist es für das wissenschaftliche Lesen nicht ohne Weiteres anwendbar und man wird hier auch nicht so schnell sein. Denn wissenschaftliche Texte sind per se komplexer, gefüllt mit ungleich mehr Fremdwörtern. Überfliegen funktioniert hier schlicht und einfach nicht so gut.

Außerdem gibt es noch die Fragetechnik, die besonders bei der aufwendigen Literaturrecherche für Hausarbeiten ratsam ist. Diese ist zwar empfehlenswert, aber erst in späteren Semestern, wenn man in gewissen Themengebieten bereits ausreichend Vorwissen mitbringt. Bei der Fragetechnik überlegt man sich vor dem Lesen einige Leitfragen, die man an den Text stellt und versucht, diese dann im Lesen zu beantworten. Das funktioniert freilich nur, wenn man vorher überhaupt weiß, welche Fragen man stellen möchte. Wenn ich einen neuen Text von einem fremden Autoren in einem unbekannten Fachgebiet vor mir habe, wird es mir sehr schwer fallen, überhaupt Fragen zu formulieren bzw. die richtigen Fragen zu formulieren. Das kann zu Frust führen. Darum sollte man diese Technik tatsächlich erst ausprobieren, wenn man schon 3 oder 4 Semester hinter sich hat und sich ein gewisses Grundwissen angeeignet hat.

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