Welche Anforderungen muss eine wissenschaftliche Arbeit erfüllen?

Welche Anforderungen muss eine wissenschaftliche Arbeit erfüllen? Eine wissenschaftliche Arbeit zu schreiben, ist eine Herausforderung. Es gibt so viele Anforderungen, so viele Regeln, so viele Besonderheiten. Allen Anforderungen gerecht zu werden ist anstrengend. Wie wäre es mit ein paar einfachen Kriterien? Wer sie erfüllt, hat weniger Stress und sogar eine bessere Arbeit?
Diese sieben Anforderungen muss ein Text erfüllen, damit er wissenschaftlich ist. Wir zeigen dir aber auch die Folgen, wenn eine Anforderung nicht erfüllt ist.

Anforderung 1: Eine wissenschaftliche Arbeit hat ein Thema, das sich durch den Text zieht.


Zieht sich das Thema nicht durch den ganzen Text, ist das Thema verfehlt und die Arbeit ist von vornherein durchgefallen...

Nehmen wir ein Beispiel: Ich soll über Milchschokolade und die Motivation von Studenten in der Klausurzeit schreiben. Nach einem passenden Einstieg komme ich aber auf Pralinen, die Fernstudenten beim Lernen im Zug essen. Die Pralinen sind vielleicht gut fürs Lernen und die Fernstudenten sind ja auch Studenten. Aber das Thema lautet anders. Damit schreibe ich am Thema vorbei und falle durch. Das Thema muss systematisch formuliert sein und mit der Leitfrage übereinstimmen.

Fazit: Die Arbeit muss sich um das Thema drehen, von Anfang bis Ende.

Anforderung 2: Eine wissenschaftliche Arbeit verwendet aktuelle wissenschaftliche Quellen.


Schauen wir uns an, was bei einer Verletzung dieser Anforderung passiert.

Nehmen wir an, eine Arbeit enthält nur ein paar wissenschaftliche Quellen wie Studien und dafür sehr viele nichtwissenschaftliche Quellen wie zum Beispiel Zeitungsartikel oder Blogbeiträge oder PDFs zum Download. Dazu kommen noch Interviews oder Vorträge von Leuten zum Thema. Diese Quellen können sicher Informationen für die Arbeit liefern. Allerdings darf sich die Arbeit nicht darauf stützen. Wissenschaftliche Quellen zeichnet aus, dass die Autoren zitiert werden und damit stets sichtbar sind. Vor allem ist der Weg zu den Erkenntnissen in wissenschaftlichen Quellen nachvollziehbar. Die überwiegende Zahl der Quellen muss wissenschaftlich sein, auch bei einer empirischen Arbeit.

Zur Aktualität deiner Quellen: Ein guter Richtwert sind fünf Jahre. Die Mehrzahl der Quellen sollte also nicht älter als fünf Jahre sein. Diese Anforderung lässt sich gut erfüllen. Selbst über alte Themen wie Philosophie im Altertum gibt es einen aktuellen wissenschaftlichen Diskurs mit einer Vielzahl von Studien. Finde ich zu meinem Thema keine aktuellen Studien, dann ist sogar Vorsicht geboten. Ein Thema ohne aktuelle Diskussion ist vielleicht schon erledigt oder es ist sehr schwer, neue Ansätze zu finden. Beides ist für eine Abschlussarbeit nicht empfehlenswert.

Tipp: Mit deinem Uni VPN-Zugang hast du Zugriff auf viele wissenschaftliche Datenbanken. Dort findest du aktuelle Zeitschriften, eBooks, Artikel und mehr aus deinem Fachbereich.


Wissenschaftliche Arbeit aktuelle Quellen nutzen

Anforderung 3: Eine wissenschaftliche Arbeit baut auf dem Forschungsstand auf.


Der Forschungsstand sind die bisher gewonnenen Erkenntnisse zum Thema und zur Fragestellung. Diese finden sich in der Regel in Artikeln aus wissenschaftlichen Zeitschriften.

Stütze ich mein Thema nicht auf solche wissenschaftlichen Quellen, müsste ich sie auf andere Inhalte stützen. Infrage kommen dafür Fachbücher. Allerdings basieren auch Fachbücher auf wissenschaftlichen Studien. (Das führt dann zur ewigen Frage, wie sich eine Quelle zitieren lässt, die in einer anderen Quelle gefunden wurde.) Sie verarbeitet diese und fügt eventuell weitere eigene Erkenntnisse hinzu. Am besten ist ein systematisches Literature Review zu vorhandenen relevanten Studien. Das gibt einen tabellarischen Überblick über die aktuellen Erkenntnisse und ist die beste Vorbereitung auf die eigene Arbeit.

Wissenschaftliche Arbeit Forschungsstand und Fragestellung

Anforderung 4: Eine wissenschaftliche Arbeit hat eine offene Leitfrage oder Forschungsfrage.


Gibt es keine Forschungsfrage, ist das Ziel der Arbeit unklar. Was soll denn am Ende dieser Arbeit stehen? Die Arbeit soll doch einen Zweck erfüllen. Eine wissenschaftliche Arbeit soll Wissen schaffen. Das muss nicht spektakuläres oder völlig neues Wissen sein. Ein paar neue Gesichtspunkte reichen und sind durchaus möglich.

Ein typischer Fehler in diesem Zusammenhang ist die Formulierung einer geschlossenen Forschungsfrage. Die lautet dann zum Beispiel: Hat Schokolade Einfluss auf die Motivation von Studis? Oder noch stärker verkürzt: Motiviert Schokolade Studis? Die Antwort auf diese Frage ist offensichtlich ja oder nein. Die Frage muss aber offen formuliert werden wie zum Beispiel: Welche Auswirkungen hat Schokolade auf die Motivation von Studis?

Dabei hilft der Listentest. Ist es möglich, eine Liste von potentiellen Erkenntnissen zu erstellen? Das ist bei der offenen Frage leicht möglich. Die Erkenntnisse sind:

• Auswirkung 1
• Auswirkung 2
• Auswirkung 3

Die Leitfrage muss mit dem Thema übereinstimmen! Daher müssen Thema und Leitfrage von vorneherein zusammen formuliert werden.

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Anforderung 5: Eine wissenschaftliche Arbeit nutzt eine Methodik.


Die Methode beschreibt die Art und Weise der Gewinnung von Erkenntnissen in der Arbeit. Dieser Weg muss nachvollziehbar beschrieben werden. Fehlt die Beschreibung der Vorgehensweise, kann dieser Prozess nicht nachvollzogen und somit nicht überprüft werden. Damit lassen sich die Ergebnisse der Arbeit auch nicht überprüfen. Das ist eine klare Verletzung wissenschaftlicher Grundregeln.

Unter Methode wird nicht einfach eine Umfrage oder ein Interview verstanden. Die Methode umfasst die detaillierte Beschreibung aller Schritte bis zum Ziel.

Dazu gehört zum Beispiel die Formulierung von Hypothesen, die Formulierung von Fragen für einen Fragebogen, die Auswahl der Probanden, die Auswertung der gewonnenen Daten mithilfe statistischer Methoden und so weiter. Auch eine Literaturarbeit hat eine Methode. Die Methode ist eine gezielte Literaturauswertung unter einer bestimmten Fragestellung.

Anforderungen 6: Eine wissenschaftliche Arbeit hat eine erkennbare Eigenleistung.


Eine wissenschaftliche Arbeit besteht zu einem gewichtigen Teil aus der Wiedergabe bisheriger Theorien, Modelle und Erkenntnisse. Das sind die Kapitel Theorie und Forschungsstand. Allerdings muss in der Arbeit nachgewiesen werden, dass die Studierenden zum eigenständigen wissenschaftlichen Arbeiten in der Lage sind. Das lässt sich nur mit dem Nachweis einer nachvollziehbaren Eigenleistung bewerkstelligen.

Die Eigenleistung sind die Erkenntnisse als Antworten auf die Leitfrage der Forschungsfrage. Fehlt eine solche Eigenleistung, ist die Arbeit nicht wissenschaftlich.

Wissenschaftliche Arbeit erkennbare Eigenleistung

Anforderung 7: Eine wissenschaftliche Arbeit hat keine Plagiate.


Selbstverständlich muss eine wissenschaftliche Arbeit eine saubere Quellenarbeit aufweisen. Sie baut auf vorhandenen Texten und damit auf vorhandenem Wissen auf. Allerdings müssen die verwendeten Quellen zitiert werden.

Vor allem bei der Eigenleistung darf nicht etwas beschrieben werden, das sich bereits in anderen Quellen befindet. Offensichtlich ist das Kapitel mit der Eigenleistung in der Regel ohne Quellenverweise. Hier kommt es mitunter zu Verwirrung. Es besteht die Annahme, dass jede Seite Quellenverweise enthalten muss. Das ist aber bei einer Beschreibung der eigenen Schlussfolgerungen und Erkenntnisse und Interpretationen gar nicht möglich. Das sind ja die eigenen Erkenntnisse. Das ist offensichtlich. Die Betreuenden werden das auf jeden Fall erkennen. Wurden jedoch im Kapitel mit der Eigenleistung bestimmte Abschnitte aus anderen Büchern oder Studien ohne Verweise übernommen wurden, ist das ein Plagiat. Eine solche Arbeit kann natürlich nicht akzeptiert werden. Sie verstößt gegen die wissenschaftliche Redlichkeit. Jede wissenschaftliche Arbeit muss daher zuletzt auf Plagiate geprüft werden.

Unter Plagiat fällt auch das Ghostwriting. Einen fremden Text als eigenen Text einzureichen ist untersagt und wird streng bestraft.

Fazit: Wie du siehst, sind viele Dinge beim wissenschaftlichen Arbeiten zu beachten. Es ist jedoch kein Hexenwerk und wenn du erst einmal weißt, wie der Hase läuft, steht einer erfolgreichen Seminar- bzw. Hausarbeit, Thesis oder Abschlussarbeit nichts mehr im Wege.

Bildquellen: Vielen Dank an khamkhor, JESHOOTS, PourquoiPas und kaboompics für die Bilder (© khamkhor/pixabay.com, © JESHOOTS/pixabay.com, © PourquoiPas/pixabay.com, © kaboompics/pixabay.com).

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