Praktikum Vergütung: Gehalt, Mindestlohn und lukrative Branchen

Praktikum Vergütung: Gehalt, Mindestlohn und lukrative Branchen
Keine Bezahlung, Langzeitpraktika und unbezahlte Überstunden. Dies sind die Schauerszenarien, die vielen Studierenden von Praktika ausgemalt werden. Soll so wirklich der Berufseinstieg aussehen? Nach endlosen Vorlesungen und theoretischen Auseinandersetzungen in Seminaren wollen die meisten Studenten auch mal raus aus der Uni. Endlich praktische Einblicke in die Arbeitswelt bekommen und Erfahrungen sammeln, stehen dabei an oberster Stelle. Häufig sucht man sich deshalb im Laufe des Studiums einen Praktikumsplatz in einem Unternehmen. Mit über 40% entscheiden sich besonders oft Studenten aus dem Bereich Wirtschaft für diesen Weg. Für jeden Studiengang gilt: Je nach Praktikumsart und Branche kann das Praktikumsgehalt stark variieren.

So viel Gehalt gibt’s im Praktikum


Laut dem Praktikantenspiegel 2018 verdient der durchschnittliche Praktikant in Deutschland rund 1098€ brutto im Monat. Damit ist das Gehalt zum Vorjahr nochmal um 66€ gestiegen. Grund hierfür ist vor allem die Einführung des Mindestlohnes 2015. Bekamen Studenten 5 Jahre zuvor noch rund 700€, gab es durch den Mindestlohn schlagartig 250€ mehr. Seitdem ist die Vergütung für ein Praktikum in den letzten Jahren immer weiter gestiegen. Obwohl diese Zahlen erst mal gut klingen, gibt es große Unterschiede. Denn nicht jeder hat einen Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn.

Mindestlohn im Praktikum: Wer bekommt ihn?


Der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland beträgt zurzeit 8,84€ pro Stunde. Er wurde eingeführt, damit auch alle Vollzeitbeschäftigten wirklich von ihrem Gehalt leben können. Allerdings können verschiedene Beschäftigungsarten davon ausgeschlossen werden. Darunter fällt teilweise auch ein Praktikum. Damit du einen Anspruch auf Mindestlohn im Praktikum hast, müssen verschiedene Faktoren gewährleistet sein.

Volljährigkeit des Praktikanten: Wer die 8,84€ Mindestlohn im Praktikum bekommen möchte, muss über 18 Jahre alt sein oder eine abgeschlossene Berufsausbildung absolviert haben.

Über 3 Monate Praktikumsdauer: Wer ein Praktikum macht, muss länger als 3 Monate in dem Unternehmen oder der Organisation arbeiten. In der Zeit davor wird man meist noch eingearbeitet. Deshalb gibt es keinen wirtschaftlichen Vorteil für das Unternehmen und auch keine Praktikumsvergütung. Geht das Praktikum allerdings über 3 Monate, muss ab dem 1. Monat ein Praktikumsgehalt gezahlt werden.

Freiwilliges Praktikum: Um ein Praktikumsgehalt gemäß dem Mindestlohn zu bekommen, muss die Beschäftigung freiwillig sein. Im Unterschied dazu gibt es vorgeschriebene Pflichtpraktika.

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Freiwilliges oder Pflichtpraktikum: So wird dein Praktikum vergütet


Wie bereits erwähnt, hat man nur bei einem freiwilligen Praktikum einen Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn. Laut dem Praktikantenspiegel 2018 machen aber 47% ein sogenanntes Pflichtpraktikum. Damit sind Praktika gemeint, die von der Lehr- oder Studienordnung der Hochschule vorgeschrieben sind, um einen Abschluss zu erhalten. Du solltest also diesbezüglich mal einen Blick in deine Prüfungsordnung werfen. Diese Regelung sorgt dafür, dass die Arbeitgeber das ausgezahlte Praktikumsgehalt selber bestimmen dürfen. Theoretisch müssen sie dir also gar nichts zahlen. Eine gerechte Praktikumsvergütung ist bei Pflichtpraktika also nicht wirklich durch den Mindestlohn gewährleistet.

Aber keine Sorge, mittlerweile gibt es auch bei Pflichtpraktika meist eine Vergütung. Fast 96% der beschäftigten Praktikanten werden bezahlt. Trotzdem sind die Unterschiede zwischen einem freiwilligen und einem Pflichtpraktikum in Bezug auf das Gehalt groß. Ein freiwilliges Praktikum wird in der Regel mit 1240€/Monat bezahlt, während ein Pflichtpraktikant durchschnittlich nur 940€/Monat an Gehalt bekommt.
Einen kleinen Vorteil gibt es trotzdem: Wer ein Pflichtpraktikum macht, muss nicht extra in die Sozialversicherungskasse einzahlen. Bei freiwilligen Praktikanten, die ein abgeschlossenes Studium haben, sieht das mit der Versicherung anders aus.

Noch ein Tipp
: Wenn du weniger verdienst, als du brauchst, gibt es noch viele andere Finanzierungsmöglichkeiten für Studenten.

Diese Branchen zahlen Praktikanten am meisten Gehalt


Nicht nur die Art des Praktikums, auch das jeweilige Unternehmen ist ausschlaggebend für deine Praktikumsvergütung. Das Gehalt für ein Praktikum kann dabei stark variieren. Die Praktikumsgehälter sind in den folgenden Branchen am höchsten:

1. Wirtschaftsprüfung, IT, Finanzen: Am meisten zahlen Firmen aus den Bereichen Unternehmensberatung, Wirtschaftsprüfung oder Wirtschaftsrecht. Auch die IT-Branche sowie Banken, Versicherungen, Finanz,- Internet- und Telekommunikationsbetriebe geben mehr Geld aus für die Praktikumsvergütung. Bei ihnen gibt es zwischen 1.234€ und 1.420€ monatliches Praktikumsgehalt.

2. Wissenschaft, Medien und Gesundheit: Bei Unternehmen aus der Pharmaindustrie, in der Forschung und auch beim Marketing gibt es monatliche Gehälter von bis zu 1.010€. In Betrieben, die Konsum- oder Gebrauchsgüter anbieten, liegt das Monatsgehalt mit 1.233€ sogar noch etwas höher.

3. Dienstleister, Baugewerbe, Bildung: Mit weniger als 1.000€ an Praktikumsgehalt muss man neben den zuvor genannten Branchen auch in Unternehmen aus dem Rohstoffgewerbe, der Logistik oder der Elektrotechnik rechnen.

4. NGOs, Vereine, soziale Dienste: Wie der Praktikantenspiegel 2018 zeigt, trifft es Studenten in diesen Branchen besonders schwer. Oftmals kann man hier nämlich mit gar keiner Praktikum Vergütung rechnen.

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Auch Größe und Standort entscheiden über dein Praktikumsgehalt


Auf der Suche nach einem Praktikum stößt man auf viele unbekannte Namen. Besonders beliebt bei Studierenden oder Absolventen sind deshalb große Firmen. Wie der Praktikantenspiegel 2018 zeigt, machen über 80% der Studenten ihr Praktikum bei einem Unternehmen mit mehr als 10.000 Mitarbeitern. Eine große Firma verspricht in den meisten Fällen auch einen höheren Praktikantenlohn.

Und tatsächlich zeigt sich, dass die Einführung des Mindestlohnes dazu geführt hat, dass viele kleinere Unternehmen nur noch Praktika bis zu 3 Monaten anbieten. So umgehen sie die notwenige Zahlung eines Praktikumsgehaltes. Aber auch große Firmen wurden durch die verpflichtende Bezahlung beeinflusst. Dies kann für dich als Praktikant durchaus ein Vorteil sein. Denn dadurch, dass alle bei längeren Praktika Gehälter zahlen müssen, ist zwischen den Unternehmen die Konkurrenz größer. So müssen sie sich besonders um dich als Praktikant bemühen. In manchen Fällen kann im Anschluss sogar dein Thema für die Abschlussarbeit hier entstehen.

Außerdem ist es für dein jeweiliges Praktikumsgehalt entscheidend, wo du arbeitest. Im Süden Deutschlands, also in Baden-Württemberg und Bayern sind besonders viele wirtschaftlich starke Unternehmen ansässig. Und auch die hanseatischen Handelsstädte Hamburg und Bremen bieten gut aufgestellte Firmen. Dies wirkt sich auch auf deine Praktikumsvergütung aus. Denn hier gibt es mehr zu holen als im Westen und im Osten des Landes. Allerdings gibt es vor allem in Berlin besonders viele angebotene Positionen für Praktikanten. Auch Frankfurt und Düsseldorf bieten neben München und Hamburg eine breite Entfaltungschance.

Nicht nur das Gehalt zählt: So findest du das Praktikum, dass zu dir passt


Das Studium ist in der Tasche oder so gut wie und du willst endlich praktische Erfahrungen machen? Dann geht es dir wie den meisten anderen. Oft hat man allerdings noch nicht so richtig viel Ahnung wo es hingehen soll. Nach all den Theorien und Prüfungen in der Uni zählen für die meisten deshalb erst mal die ersten Berufserfahrungen und die praktische Umsetzung der Studieninhalte. Außerdem kann man durch ein Praktikum einen Einblick in verschiedene Branchen bekommen und sehen wo genau eigentlich die eigenen Interessen liegen. Der durchschnittliche Student ist 24 Jahre alt und hat idR einen längeren Auslandsaufenthalt auf dem Lebenslauf stehen. Besonders häufig sind außerdem BWL Studenten als Praktikanten anzutreffen.

Anlaufpunkte für die Suche nach einem Praktikumsplatz gibt es viele. Besonders häufig läuft die gegenseitige Suche von Praktikant und Unternehmen heute online ab. Neben Stellenportalen und beruflichen Plattformen, nutzen hierfür über 37% der Unternehmen mittlerweile auch Social Media Kanäle. Aber auch Karrieremessen und Kooperationen mit Unis solltest du im Auge behalten bzw. aufsuchen. Hier kannst du z.T. direkt Kontakt zu deinen potenziellen Arbeitnehmern aufnehmen.

Spätestens im Bewerbungsgespräch sollte aber klar besprochen werden, was gegenseitig erwartet wird. So kann man am besten dafür sorgen, dass beide Seiten zufrieden durchs Praktikum gehen und du am Ende ein gutes Praktikumszeugnis in der Hand hältst. Kommuniziere dabei auch, was du dir als Bezahlung vorstellst. Weitere Tipps für eine erfolgreiche Bewerbung findest du hier.

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Fazit: Lohnt sich ein Praktikum?


Praktikum ist nicht gleich Praktikum. Nicht nur durch die Art, sondern auch durch die Branche, den Standort oder die Größe des Unternehmens gibt es große Unterschiede in Bezug auf das Praktikumsgehalt. Wem die Vergütung also sehr wichtig ist, der sollte alle diese Faktoren beachten. Für ein erfolgreiches Praktikum sind allerdings noch viele weitere Faktoren ausschlaggebend. Es geht vor allem darum zu sehen, ob einem die Arbeit überhaupt Spaß macht. Neben den eigenen Interessen sind deshalb eine breite Auswahl an Aufgaben und eine gute Betreuung wichtig.

Selbst wenn das Praktikumsgehalt also nicht allzu hoch ausfällt, lohnt sich ein Praktikum immer. Das Aufbauen von privaten und beruflichen Kontakten, Einblicke in die Führung eines Unternehmens, sowie die persönliche Weiterbildung und Feedback sind nur einige der Punkte, die dazu führen, dass nicht nur die Praktikumsvergütung eine gute Zeit nach dem Studium versprechen.

Bildquelle: Vielen Dank an v hujer für das Bild (v hujer/www.sxc.hu).

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