Burnout bei Studenten

Burnout bei Studenten Die Hausarbeit muss in 4 Tagen abgegeben werden, die nächsten Prüfungen rücken schon wieder näher und zwischendurch stehen noch zwei Referate an. Natürlich willst du das Studium in der Regelstudienzeit abschließen und das am besten mit herausragenden Ergebnissen. Die „Semesterferien“ sind dann mit Praktika und Auslandsaufenthalten durchgeplant, man möchte ja im Lebenslauf etwas vorweisen und besser sein als die anderen. Stress und Überforderung sind vorprogrammiert. Anhand dieser immer mehr zur Regel werdenden Abläufe und Anforderungen ist es eigentlich kaum verwunderlich, dass die Zahl der Studenten mit Burnout Symptomen immer größer wird.

Mehr Stress als Durchschnittsbürger: Burnout bei Studenten besonders verbreitet


Heutzutage stehen einem alle Türen offen. Man kann machen was, man möchte, man kann wohnen, wo man will und ist Teil einer globalisierten freien Welt. Kein Grund sich zu beschweren also? Tatsächlich löst aber genau diese Qual der Wahl bei vielen Studierenden eher Stress und Unsicherheit hervor. Viele haben das Gefühl den gestiegenen Erwartungen und der Konkurrenz nicht gerecht werden zu können. So legt es zumindest eine Studie der Uni Hohenheim in Kooperation mit der Uni Potsdam nahe. Wie ihre Untersuchung von 2016 ergab, stufen 53% der 18.000 befragten Studenten ihr Stressniveau als hoch ein. Bei Menschen, die bereits einem regelmäßigen Beruf nachgehen, sind es nur knapp 50% und damit 3% weniger. Das Klischee vom faulenzenden Studentendasein scheint also nicht mehr so ganz zu stimmen.

Welche Studenten sind besonders von Burnout betroffen?


Unterschiede konnten dabei in Bezug auf verschiedene Faktoren festgestellt werden. So sind beispielsweise Studierende an Fachhochschulen anfälliger für Stress als Studenten an Unis und auch Bachelorstudenten gefährdeter als Masterstudenten.
Ein hohes Risiko für Burnout bei Studenten, ausgelöst durch zu viel Belastung, ist bei Studierenden der Veterinärmedizin zu sehen. Sportabsolventen scheinen hingegen ausgeglichener durchs Studium zu gehen.
Auch zwischen den Geschlechtern wurden große Unterschiede festgestellt. Besonders häufig litten demnach Frauen unter zusätzlichem Stress. Dies bestätigt der Gesundheitsreport 2015 der Techniker Krankenkasse, der größten deutschen Krankenkasse. Demnach ist fast jede dritte weibliche Studierende betroffen, mit 15% der Männer ist der Anteil hier nur etwa halb so groß. Insgesamt laufe jedoch fast jeder fünfte Gefahr, von einem Burnout bei Studenten betroffen zu sein.

Burnout Stress Studenten
©pedrofigueras/Pixabay.com

Einfach nur Stress oder schon Burnout? So erkennt ihr die Symptome


Schon der Gedanke an die nächste Prüfung löst bei dir Schweißausbrüche aus und die Hausarbeit muss auch bis nächste Woche fertig werden? Oft wollen viele in solchen Momenten einfach alles hinschmeißen und endlich ihre Ruhe haben. Starke emotionale und körperliche Erschöpfung durch chronische Überförderung fallen unter die Bezeichnung Burnout. Eine eindeutige Definition oder Diagnose für diesen Zustand gibt es dabei nicht. Der aus dem Englisch stammende Begriff beschreibt allerdings das Gefühl ausgebrannt zu sein.

Ständiger Leistungsdruck und eine ungewisse Zukunft stärken das Risiko von Burnout bei Studenten besonders stark. Obwohl keine medizinische Diagnose existiert, lässt sich doch sagen, dass der Begriff Überschneidungen mit unterschiedlichen psychischen Krankheiten aufweist. Ähnlich wie bei einer Depression kann man sich ständig antriebslos, müde und mutlos fühlen.

Da es keine klare Trennlinie gibt, kann sich das Gefühl eines Burnouts durch verschiedene Symptome bemerkbar machen. Dazu gehören:

Müdigkeit und Erschöpfung: Ständig das Gefühl überfordert oder müde zu sein, ist ein Anzeichen für ein Burnout bei Studenten. Dabei tritt trotz Erholungsphasen keine Entspannung ein und es lässt sich auch nach dem Lernen nur sehr schlecht abschalten.
Eingeschränkte Leistungsfähigkeit: Es scheint einfach gar nichts mehr zu klappen. Der Stoff will nicht in den Kopf oder beim Hausarbeiten schreiben verzettelst du dich ständig. Dadurch fühlst du dich nutzlos und siehst den Berg aus Arbeit nur noch vor dir wachsen.
Auswirkungen auf den Körper - Schlafstörungen oder Kopfschmerzen: Der aufgebaute Stress kann sich als Folge der Überlastung auch körperlich bemerkbar machen. Neben den zuvor genannten Folgen, äußert sich Burnout bei Studenten auch durch Verdauungs- oder Rückenprobleme.
Einsamkeit: Erdrückt von dem gesamten Stress ziehen sich viele mit Burnout zurück. Auch soziale Kontakte oder Hobbys, die Abwechslung bieten und uns entspannen können, werden gemieden. Häufig leidet v.a. auch das soziale Umfeld darunter. Die Folge ist die Vernachlässigung von Freundschaften und Partnern.
Gleichgültigkeit: Um dem ganzen Druck zu entgehen, stellt sich eine innere Leere ein. Vielen geht die gesamte Freude am Alltag verloren und sie sehen keinen Sinn mehr darin ihren alltäglichen Aufgaben nachzugehen. Die Unzufriedenheit wird dadurch noch weiter gesteigert. Eine allgemeine Hoffnungslosigkeit ist dann leider häufig die Folge von Burnout bei Studenten.

Burnout Symptome Studenten
©Comfreak/Pixabay.com

Darum trifft es vor allem Studenten


Zu Beginn des Studiums blicken die meisten noch entspannt in ihre Zukunft. Erst im Laufe der Zeit steigt dann der Stresspegel. Zu diesem Ergebnis kam der Arztreport der Barmer Krankenkasse von 2018. Demnach sind Studenten mit 18 sogar nur halb so oft depressiv wie ihre Altersgenossen. Gerade ab Mitte Zwanzig ändert sich dies allerdings. Während die Anzahl der 25 Jährigen mit Depression bei Studenten steigt, sinkt die sie bei anders Beschäftigen.

Als Gründe werden gestiegene Zukunftsängste, finanzielle Sorgen und ein stärkerer Zeit- und Leitungsdruck genannt. Als Ursache hierfür nennt Doreen Liebold in ihrer Diplomarbeit an der TU Chemnitz u.a. auch die Umstellung auf das Bachelor-Master-System. Dadurch sehen sich viele deutsche Studenten überfordert, meint sie. Hinzu kommt, dass die Lebenshaltungskosten für Studenten, z.B. durch Mieten, immer weiter steigen. Dadurch seien die verfügbaren Ressourcen weiter beschränkt, da viele durch die Beschäftigung in einem Nebenjob weiter Gefahr laufen an einem Burnout zu erkranken. Die Studie der Unis in Hohenheim und Potsdam beschreibt, dass Studierende faktisch sogar mehr arbeiten als in einem Fulltimejob. Das Klischee vom faulen Studenten hinkt. Für Vorlesungen, Seminare, Hausarbeiten und Recherchen brauchen Studierende rund 35 Stunden pro Woche. Zusätzlich dazu finanzieren sich viele mit der Hilfe eines Nebenjobs, wofür nochmal mindestens 7 Stunden pro Woche anfallen. Ein ziemlich straffer Zeitplan also.

Alles also nur Stress? Tatsächlich sieht die Untersuchung hier jedoch auch einen positiven Zusammenhang. Sie geht davon aus, dass ein Nebenjob dazu führt, dass die Studierenden nicht mehr, sondern teils sogar weniger gestresst sind. Das hängt eventuell damit zusammen, dass man, wenn man arbeitet besser organisiert ist und sich nicht nur mit dem Studium beschäftigt.

Allgemein lassen sich aus den verschiedenen Studien jedoch, ähnliche Ursachen für ein Burnout bei Studenten entnehmen. Die meisten Studierenden fühlen sich demnach v.a. gestresst im Zusammenhang mit Klausuren, also v.a. in Prüfungsphasen, durch allgemeine Arbeitsbelastungen des Studiums, wie dem Auseinandersetzen mit dem Lernstoff und der Anfertigung von Arbeiten, insbesondere der Abschlussarbeit, sowie weiterer Sorgen und hoch gesteckten Erwartungen an sich selbst oder durch andere.

Bei den ersten Anzeichen von einem Burnout Hilfe suchen


Du hast ähnliche Probleme? Dann scheue nicht den Gang zu einer psychologischen Beratungsstelle. Erste Hilfe gibt es auch online, beispielsweise bei Psychologe.de oder Psychomdea.de. Noch ratsamer ist es aber, dir vor Ort bei den Beratungsstellen der eigenen Studentenwerke Unterstützung zu holen. Hier hast du die Möglichkeit, Entspannungsübungen, neue Lerntechniken und ein besseres Zeitmanagement zu erlernen. An manchen Hochschulen haben sich außerdem bereits eigene Selbsthilfegruppen gegründet, um Burnout bei Studenten gemeinsam anzugehen.

Ein erster Schritt aus der Stressspirale kann auch regelmäßiger Sport oder bewusste Auszeiten wie das Treffen mit Freunden sein, um den üblichen Alltagsstress einfach mal hinter sich zu lassen und einen Ausgleich zu schaffen. Denn eines darf nicht vergessen werden: das Studium besteht nicht nur aus Lernen und Arbeiten, sondern auch aus Erholungspausen. In diesem Sinne: Bachelor statt Burnout!

Burnout Ausgleich Studenten
©greymatters /Pixabay.com

Bildquelle: Vielen Dank an energepic.com für das Bild (energepic.com/pixabay.com)

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